Ein Ring für den Nachwuchs

Foto: WAZ FotoPool

Rheinberg-Budberg..  Das ist fast eine Sensation: Noch vor zehn Jahren gab es sie nicht, eine heimische Population von Weißstörchen. Heute sind es im Kreis Wesel zehn Storchenhorste. Auf allen wachsen Jungstörche auf. Wie auf dem großen Kamin des Krauthauses des Budberger Heesenhofes, ein beliebtes Bauernhaus-Café. 18 Meter hoch über den Gästen, auf dem viereckigen Kamin, ist seit Jahren Leben, seit Hermann Barten dort, als noch weit und breit keine Störche horsteten, eine künstliche Nisthilfe anbot. Vier Jungstörche vermutete er auf dem Kunsthorst, heute längst von Weißstörchen bewohnt.

In Wilhelmshaven registriert

Unbürokratisch bot die Stadtverwaltung Hilfe. Dirk Schröder, stellvertretender Leiter des Löschzugs Mitte, Uwe Urban und Jörg Rückert kamen mit der großen Drehleiter. Für sie eine notwendige Übung, für Dr. Johan Mooj, Leiter der Biologischen Station Wesel, eine große Hilfe. Die jungen Störche, vor acht bis zehn Wochen geschlüpft, sollten beringt werden.

Doch erst wurde es spannend, wie viele es wirklich sind. „Storchenvater“ Hermann Barten war der erste, der im Korb der langen Drehleiter, unterstützt von Uwe Urban, begleitet vom Fotografen, vorsichtig an den Nestrand fuhr. Lange hielt der Altstorch, auf dem Horst Wache stehend, aus. Als der Korb fast den Rand erreichte, hob er sich majestätisch in die Luft, kreiste eng um das Geschehen. „Vier sind es“, rief Barten von oben.

Genauer wollte es das Fernsehteam des Westdeutschen Rundfunks wissen. „Super Eindruck, vier Stück, alle wohlgenährt“, berichtete Barten. „Zwischen zweieinhalb und drei Kilo wiegen die, haben erste zentimeterlange Federn“, setzte Barten nach.

Dann wurde es Ernst: Mooj kletterte mit vier Plastikringen, je zwei Hälften mit einer identischen Nummer, die um den Fuß der jungen Störche zusammen gedrückt werden mussten, in den Korb, fuhr nach oben. Dann war die Arbeit getan. Jetzt sind die vier Jungstörche registriert, tragen mit einem guten Fernglas erkennbare Nummern. „OX284 DEW“ steht auf beiden Ringhälften. Wobei OX und die Zahl das Tier identifizieren und DEW für Deutschland West steht. Was heißt: Die Tiere sind in der Vogelwarte Wilhelmshaven registriert. „Please inform Vogelwarte D-26386 Wilhelmshaven“, steht auf dem Ring.

Erstaunlich früh kam in diesem Jahr der erste Storch auf den Kamin des Heesenhofs, mitten im kalten Winter. „Am 31. Januar“, weiß Barten. Er las die Nummer auf dem Ring, wusste dass der ein Budberger ist. „Der 811er“, wusste auch Peter Gruminski, Duisburger Ornithologe, der sich dazu gesellte. Die Nummer steht auf dem Ring. Er kennt den Vogel. „Der hat 2010 in Walsum gebrütet. Jetzt ist er mit einer Belgierin da“, lacht er. Das Weibchen, mit dem „811“ den Horst teilt, wurde in Belgien beringt. Auch in Walsum seien vier Jungstörche.

Alle Jungen kommen durch

Fleißig war das WDR-Team mit Reporter Kai Toss, Kameramann Siegfried Drewitz und Tontechniker Oliver Jonischkeit. Sie drehten, was das Zeug hielt, oben am Nest und unten am Boden. Biologe Mooj freute sich, dass so viele Weißstörche am Niederrhein heimisch wurden, lobte die Pionierarbeit, die Barten geleistet hatte.

Mit seiner künstlichen Nisthilfe legte er den Grundstock für eine steigende Population am Niederrhein. „Mindestens neun Jungstörche sind hier ausgebrütet worden“, weiß er. Die siedelten später rund um. Wie auf dem großen Funkmast in Eversael, wo wohl drei bis vier Junge sitzen. Genau weiß es keiner. Dazu muss der Mast erst bestiegen werden, was in den nächsten Wochen passiert. „Auf der Bislicher Insel muss ich auch noch beringen“, sagt Mooj.

Er glaubt, dass alle Jungen durchkommen. „Denen passiert nicht mehr viel.“ Wochen vorher hatte man noch Sorge, dass das miserable Wetter ihnen den Tod bringt. Wie im Vorjahr. „Da sind alle vier Jungstörche eingegangen. Die lagen tot auf dem Dach.“ Barten erklärt: „Die Alten schmeißen die toten Jungen aus dem Nest.“ Spannend wurde es am Ende doch noch: Die Altvögel waren wohl auf Futtersuche, als ein dritter Storch auf dem Nest landete. Der hätte die Jungvögel tot picken und heraus werfen können. Doch es ging gut.

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