„Die weitere Verödung des Ortskerns von Orsoy aufhalten“

Wolfgang Krause
Bleibt das Café erhalten oder kommt es zu einer reinen Wohnbebauung an der Kuhstraße?
Bleibt das Café erhalten oder kommt es zu einer reinen Wohnbebauung an der Kuhstraße?
Foto: NRZ
Reinhard Bassier wendet sich gegen eine verdichtete reine Wohnbebauung im Rheinberger Stadtteil Orsoy und wünscht sich, möglichst gemeinsam mit dem Investor einen verbindlichen Weg zu finden, um das ersatzlose Verschwinden eines traditionellen Cafés zu verhindern. Was sagen Sie dazu, liebe Leser? Diskutieren Sie mit!

Rheinberg.  Es ist eine Institution in Orsoy: Das Café Münster an der Kuhstraße blickt auf eine lange Tradition zurück. Den Grundstein legte Bäckermeister Wilhelm Münster – er übernahm 1845 von einem nach Amerika gegangenen Berufskollegen die Backstube.

Mittlerweile wird das Café in fünfter Generation geführt von Konditormeisterin Ute Münster. In Wesel gibt es einen weiteren Standort.

Wie lange diese Geschichte noch weitergeht, ist allerdings nicht ganz klar. Der Vertrag, den Münster mit dem neuen Eigentümer, einer Firma der Unternehmensgruppe Aaldering besitzt, läuft noch bis ins Jahr 2016. An der Stelle ist laut einer Bauvoranfrage Wohnbebauung vorgesehen. Die Fassade des rechten Hausteils steht unter Denkmalschutz und soll erhalten bleiben.

Zwar soll nach Informationen der NRZ im bisherigen Stand der Planung auch eine Gewerbeeinheit vorgesehen sein, womöglich ein Café, aber ob das so kommt, ist noch ungewiss. Und falls tatsächlich nach dem Umbau ein Café entsteht, stellt sich die Frage nach dem Betreiber – und der Höhe der Mietkosten.

Zwar sei sie eine Ansprechpartnerin für den Betrieb eines neuen Cafés, so Münster im Gespräch mit der NRZ, aber bis zum Ende des bisherigen Vertrags im Jahr 2016 besitze sie Sicherheit. Was danach komme, könne sie noch nicht absehen. Darum mache sie sich derzeit auch noch keine Gedanken,

Gedanken dagegen über die Situation in Orsoy macht sich Reinhard Bassier. Es bestehe „zunächst kein Anlass, an der denkmalorientierten Kompetenz der Unternehmensgruppe Aaldering und dem bestehenden Baurecht für die Orsoyer Innenstadt zu zweifeln. Die neue Fassade wird sicherlich in Höhe und Form in die historische Nachbarschaft passen, gewiss besser als einige Bausünden der Nachkriegszeit in der Kuhstraße“. Auch die Parkplatzfrage sei lösbar, wahrscheinlich als Tiefgarage auf dem Grundstück selbst.

„Aber hier geht es um mehr, wenn ein traditionelles Café, das den Namen Orsoy weit über die engen Grenzen des Orts bekannt macht, ersatzlos verschwinden soll. Die Kaufkraft des täglichen Bedarfs ist bereits unwiderruflich zum Discounter am Ortsrand abgewandert. Umso mehr sollte (gemeinsam mit dem Investor) ein verbindlicher Weg gefunden werden, die weitere Verödung des Ortskerns von Orsoy aufzuhalten. Verdichtete reine Wohnbebauung ist kein Patentrezept dafür.“

Leider sei aus der bisherigen öffentlichen Diskussion von Politik und Verwaltung zu diesem Projekt nicht erkennbar, wie eine alternative Kombination Gewerbe/Wohnen an diesem Standort aussehen könnte. Hier sollte die politische Diskussion ansetzen, nicht auf fragwürdige Verhinderungsstrategien reduziert werden.

Was sagen Sie, liebe Leser, zu diesem Thema? Wäre es schade, wenn mit dem Café Münster ein Traditionsunternehmen aus dem Straßenbild Orsoys verschwände? Sollte an dieser Stelle ein Café erhalten bleiben? Melden Sie sich bei uns zu Wort – telefonisch unter der Nummer 028 43/170 768, per Fax an 02843/3731 oder per Mail an die Adresse lok.rheinberg@nrz.de. Reden Sie mit!