Die längste Theke des Dorfes

Foto:Gisela Weißkopf/WAZFotoPool
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Rheinberg-Ossenberg.. Beim Ossenberger Tulpensonntagszug sorgten die Anwohner am Straßenrand für reichlich Verpflegung.

So war es Sonntagmittag in Ossenberg: Der kleine, aber feine Umzug mit fünf Motiv- und Festwagen sowie einigen Fußgruppen war längst durchgezogen. Doch noch aktiver als die Narren auf den Wagen und in den Gruppen waren die Nachbarn. Die hatten den kleinen Ort in eine lange Kuchentheke, teils auch in eine Kneipenszene, verwandelt. Das macht den Ossenberger Karnevalsumzug zu einem nachbarschaftlichen Ereignis. Nicht nur für die Nachbarn: Wer sich nach Ossenberg verirrte, wurde gastfreundlich bewirtet. Ob Schnäpschen, Kaffee, Kuchen aller Sorten, Eier, Käsehäppchen oder Bockwürste: Die Ossenberger waren erfinderisch, keiner kam an ihnen vorbei.

„Wenn der Zug heute Nachmittag vorbei ist, habe ich drei Kilo zugenommen“, stöhnte ein Aktiver vom Wagen herab, den Butterkuchen in der einen Hand, die Mettwurst in der anderen. Bei Leo Jansen, ortsbekannter Politiker, bogen sich mehrere Tische. Er ist alljährlich Geheimtipp: Der Eier- und Käsefachmann bietet alles was Keller, Küche und Lager hat. So zog der närrische Lindwurm von Nachbarschaft zu Nachbarschaft, immer wieder Halt an einer Verpflegungsstation.

Im Zug nahm man das eigene Dorfgeschehen auf die Schippe. Karsten Kämmerer, früher einmal NRZ-Prinz, zeigte sich mit seinen „Ossenberger Karnevalsfreunden“ als Abbruchfachmann. Bernd Terhorst hatte auf seinem Trecker eine große Abrissbirne installiert, zog das Schulgebäude durch die Straßen. „Wir kriegen auch die Grundschule platt“, hieß es an den Seiten. Einen Blickfang servierte die Löschgruppe Ossenberg der Freiwilligen Feuerwehr mit ihrem schicken Schaufelraddampfer. „Fire Queen“ hieß das tolle weiß-rote Schiff.

Dass es mal Streit um einen Gaststättennamen gab, daran erinnerte die Nachbarschaft Berkastraße. „Denn da ist es am Schönsten“, prangte auf dem Haus: „Der Rheinberger in Ossenberg.“ Passend trug man kommentierende T-Shirts. Weiteres Highlight war der Wagen der Nachbarschaft Spilling. „Spillingcamp 2011“ hieß die wilde Urwaldhütte. Anders als im TV hieß es „Ich bin ein Spillinger – holt mich hier bloß nicht raus.“ Zum krönenden Abschluss kam dann Prinzessin Angelika I., begleitet vom Jugendprinzen auf ihrem Prachtwagen, blumengeschmückt, heran. Als Zugabe einige Teufel, die Jugend der KAG.

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