Die „Glückauf“ macht Pause

Andrang auf der Fähre ,,Glückauf“.
Andrang auf der Fähre ,,Glückauf“.
Foto: WAZ FotoPool

Rheinberg-Orsoy.. Mit kräftigem Schwung öffnet Dirk Nowakowski die schwere Doppelklappe auf dem Deck der „Glückauf“.

Im Maschinenraum der Rheinfähre Orsoy-Walsum nageln die fünf Zylinder des alten Deutz Schiffsdiesels vor sich hin, als der Pächter der Fähre Orsoy-Walsum dem Selbstzünder mit einem öligen Lappen eine letzte Streicheleinheit gibt.

Nachdenklich wandert Nowakowskis Blick über den Zylinderkopf: „Das war’s. In ein paar Tagen werden die alten Motoren durch neue Diesel ausgetauscht. Es geht darum, dass die Fähre die Emissionsstufe 2 einhält.“ Die Binnenschifffahrtsverordnung zwingt den Pächter der „Glückauf“ zu der rund 120 000 Euro teuren Investition. Während das Schiff in den Niederlanden auf der Werft liegt, wird der Fährbetrieb zwischen Orsoy und Walsum von Sonntag, 19. Dezember, bis einschließlich 16. Januar eingestellt. Die letzte Fahrt geht am morgigen Samstag um 18 Uhr.

Anfang der kommenden Woche bringt Dirk Nowakowski die Fähre, die er von seinem Stiefvater Heinz Zimmer gepachtet hat, dann die rund 80 Kilometer rheinab ins niederländische Lobith bei Elten. Dort werden die drei 80 PS-Motoren der Fähre dann gegen nagelneue emissionsarme Vier-Zylinder-Maschinen ausgetauscht.

Ein ganz
spezieller Antrieb

Während die „Glückauf“ von der Orsoyer Rheinseite ablegt und hinüber nach Walsum steuert, ist Zeit für eine kleine Fachsimpelei. Im flachen Rumpf des Schiffes mit nur einem Meter Tiefgang arbeiten nämlich drei Motoren mit je einem Voith-Schneider-Antrieb.

Mit der bekannten Kraftübertragung durch gewöhnliche Schiffsschrauben hat das wenig zu tun. Beim Voith-Schneider-Antrieb drehen sich aus mehreren Messern bestehende Propeller in Körben unter dem Rumpf des Schiffes. Bei diesem Schiffsantrieb kann die Richtung und die Kraft des Schubes beliebig eingestellt werden, ohne dass die Drehzahl verändert wird.

Der Antrieb verleiht der „Glückauf“ höchste Manövrierfähigkeit. Die Fähre ist in der Lage zum schnellen Wechsel und feinen Dosierung der Schubrichtung. Sie kann auf der Stelle um 360 Grad drehen und in der Strömung des Rheins verharren, um beispielsweise einem passierenden Schubverband Raum zu geben. Auch die seitliche Fahrt (traversieren) ist kein Problem. „Normalerweise fahren wir nur mit zwei Motoren“, erklärt Dirk Nowakowski. „Den dritten setzen wir unter stärkerer Strömung bei Hochwasser ein.“

1958 vom
Stapel gelaufen

Die 1958 vom Stapel gelaufene Fähre ist heute im besten Alter und eines der sichersten Möglichkeiten, um per pedes, mit dem Rad oder dem Auto über den Rhein zu kommen. Mit Radar-Unterstützung fährt die „Glückauf“ selbst bei Dunkelheit und Nebel. Nowakowski: „Auf der Fähre können Sie sich entspannen und sind oft schneller in Walsum, als wenn Sie im Stau auf der A42 stehen.“

 
 

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