Die gläserne Welt der Kunst

Kunstvolles in der Klever Straße.
Kunstvolles in der Klever Straße.
Foto: WAZ FotoPool
KleinMontMartre zog am Wochenende wieder die Massen an. Künstler kommen gerne nach Xanten

Xanten..  Dicht gedrängt flanierten die Besucher am Wochenende über die Klever Straße in Xanten. Wie immer lockte „KleinMontMartre“ zum Ferienausklang Kunstfreunde und Künstler in die Domstadt. Was diese Veranstaltung so einzigartig macht, dass sie in kaum einem Terminkalender fehlt, ist dieser Hauch von Paris, die allgegenwärtige Kreativität, die netten Pläuschchen an den Ständen.

Und natürlich die vielen Geschichten, die überall warten und in die einzutauchen es sich lohnt. Zum Beispiel in die des Malers Arek Garcia. Federzeichnungen mit Tusche und Ölpastellkreide kreiert der Meister des gekonnten Strichs. Allen Bildern gemein ist die Farbgebung, die ausschließlich aus gelblich-orangen Tönen besteht. Der Grund dafür liegt in der ganz speziellen Sichtweise des Kölners. „Wenn sie die Welt durch ein Glas Kölsch betrachten, kommen diese Farben dabei heraus“, erklärt Arek Garcia.

Im Gurkensalat

Irgendwie gläsern ist auch die Welt der Karin Höflich. Ob Ohrringe, Uhren oder Salatbestecke: Für alles dienen Glasperlen als tragendes künstlerisches Element und bei allem handelt es sich um Unikate. „Bitte, bitte benutzen“, rät sie Kunden, die davor zurückscheuen, einen Kunstgegenstand in ihren Gurkensalat zu stecken. Dass hinter einem Motiv mitunter auch ein Motiv stecken kann, belegt der Kunstschmied Hans-Dieter Kluck. „Das goldene Kalb“ nennt er einen Blechquader, der aussieht, als käme er soeben aus der Schrottpresse. Ein Lenkrad und verschiedene Embleme von Autoherstellern lassen erahnen, worauf der Künstler hinaus will. „Viele Menschen sind so sehr auf Werte fixiert, dass sie ihnen ein Leben lang hinterher laufen. Und am Ende wandern sie in die Presse. Das möchte mein Vater den Menschen damit verdeutlichen“, erklärt Tochter Symen den Antrieb des Künstlers. „Einfach rauslassen“ könnte der Leitspruch des Malers Roland Ploch lauten. „Beim Malen denke ich nicht nach. Es fließt aus meinen Händen, ich verkaufe hier praktisch einen Teil von mir“, behauptet der Krefelder. Es wundert ihn nur ein wenig, dass seine farbenfrohen Krähen am Niederrhein immer wieder für Schnapsdrosseln gehalten werden.

Wer auf seinem Gang durch die Welt der Kunst hungrig geworden ist, konnte sich entweder unter dem Motto „Ihr Hunger für den guten Zweck“ bei den ehrenamtlichen Helfern des Lion-Clubs mit Reibekuchen versorgen oder ein Stück selbst gemachten Kuchen von Aidam Kraus und Leon Rausch genießen. Die beiden Schüler des Xantener Stiftsgymnasiums sammelten mit dieser Aktion für acht Klassenkameraden, die im Rahmen des Projektes „Stiftung Weltklasse“ Schüler in Indien und Kenia besuchen.

Wesentlich zum Flair beigetragen hat auch die Musik von Mika Sashef und Mario Marinov. Letzterer musste den Passanten immer wieder erklären, dass es sich bei seinem riesigen Instrument um eine Kontrabass-Balalaika handelte.

Kunst kann es auch sein, den richtigen Augenblick festzuhalten oder seine Blicke für etwas zu schärfen, was die meisten übersehen. Genau das schafft die Moerser Fotokünstlerin Petra Klein. „St. Tropez von hinten“ beispielsweise zeigt auf beeindruckende Weise die Kehrseite der Glamourwelt. „Man kann alles bemalen“, meint hingegen Melanie Wormland-Weinhold. Weil ihr Freund keinen Verwendungszweck mehr für seine alten Schallplatten hatte, wurden daraus farbenfrohe Kunstwerke. Heino eben mal anders – und den Nachbarn dürfte es auch nicht stören.

 
 

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