Die Bibel der Archäologie

Die „Xantener Berichte“ wurden vorgestellt.
Die „Xantener Berichte“ wurden vorgestellt.
Foto: WAZ FotoPool
Im Römermuseum wurden zwei neue Bände der „Xantener Berichte“ vorgestellt

Xanten..  „Es wird sozusagen die Bibel sein, um die sich alle Forschungen der frühen Geschichte ranken müssen“, erklärte Dr. Martin Müller, Leiter des Archäologischen Parks in Xanten, im Rahmen der Vorstellung zweier druckfrischer Bände der Reihe „Xantener Berichte“. Verfasser des 25. Bandes mit dem Titel „Die Capitolinsula der Colonia Ulpia Trajana“ ist kein geringerer als Gundolf Precht. Der 76-Jährige hat im Jahre 1973 mit dem Aufbau des APX begonnen, dessen Leitung er bis ins Jahr 2002 inne hatte. Prechts zehnjährige Forschungsarbeit war zunächst auf einen Zeitraum ausgerichtet, in dem es noch keine römische Siedlung in Xanten gab: „Wir haben ein Langbettengrab aus der Bronzezeit entdeckt, dass wir hier in Xanten nicht vermutet hätten. Das bedeutet, ein Friedhof aus der Bronzezeit befindet sich direkt unter uns.“

Bei Capitolsgrabungen konnten später Sedimentablagerungen entdeckt werden, die zweifelsfrei belegen, dass Xanten Anfang des ersten Jahrhunderts durch ein Rheinhochwasser überschwemmt war. „Diese Hochflut lässt sich bis auf zehn Jahre genau datieren, weil wir oberhalb der Sedimentschicht römische Münzen gefunden haben“, berichtet Precht. Die Forscher konnten ferner Baumängel an römischen Häusern nachweisen, die darin begründet waren, dass in die Erde getriebene Stützpfosten aus Holz mit der Zeit wegfaulten und das Gebäude zum Einsturz brachten. Erstaunlich aus Sicht des Forschers war die Tatsache, dass die römische Siedlung mit allen Häusern und Straßen nach einem Großbrand an der exakt gleichen Stelle wieder aufgebaut werden konnte. „Es handelte sich um dasselbe Ordnungssystem“, staunt Precht. „Es muss damals eine Art Katasteramt gegeben haben.“

Knochen dienten als Haarnadel

Band 26 der Reihe stammt vom Autor Dr. Patrick Jung, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des APX und heute zuständig für den Bereich Archäologie im Ruhr-Museum Essen. Dr. Jung beschäftigte sich in seinem Buch mit Funden aus Bein (bearbeitete Knochen). Rund 2000 dieser Beinartefakte hat er katalogisiert und aufgearbeitet. Unterstützt wurde er dabei von Astrid Dingeldey, der einzigen gelernten Knochenschnitzerin des Landes. Sie half ihm vor allem bei der Bestimmung der Gegenstände. Über die Hälfte davon dienten in der Antike als Haarnadel, daneben fanden Archäologen aus veredelten Rinderknochen, Hirschgeweihen oder Elfenbein hergestellte Steine für Brettspiele oder einen Klappmessergriff in Form eines Hahnenkopfes. Dr. Jung zeigte anhand eines mitgebrachten Gerätegriffs weitere Rückschlüsse auf: „Die umlaufenden Rillen sind so gleichmäßig angelegt, das sie nur auf einer Drechselbank angelegt werden konnten.“ Über die reine Lektüre für Liebhaber römischer Geschichte hinaus sieht der Wissenschaftler eine weitere wichtige Nutzungsmöglichkeit seiner Publikation: „Für uns Archäologen ist das Buch eine Materialvorlage.“

 
 

EURE FAVORITEN