Die Angehörigen entlasten

Anja Werner-Kubitz von der Grafschafter Diakonie übernimmt im Sommer die Leitung der neuen Tagesbetreuung Rheinberg am Annaberg. Foto: Gerd Hermann
Anja Werner-Kubitz von der Grafschafter Diakonie übernimmt im Sommer die Leitung der neuen Tagesbetreuung Rheinberg am Annaberg. Foto: Gerd Hermann
Foto: WAZ FotoPool
Im Juli startet die Diakonie ihre Tagespflege für Demenzkranke. Interessierte konnten sich beim Rundgang informieren.

Rheinberg.. Einfach mal in Ruhe einkaufen gehen. Oder sich mit Freunden treffen. Oder in die Sauna gehen. Das alles ist für Ingrid Mehrfeld schwierig momentan. Die 61-Jährige aus Wallach pflegt seit fünf Jahren ihre 91-jährige Mutter. Sie macht das gerne: „Aber wenn ich mal drei Stunden aus dem Haus bin, werde ich schon unruhig.“ Zumal ihre Mutter seit einiger Zeit Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis hat.

Ingrid Mehrfeld ist ein typischer Fall. Denn wie ihr ergeht es vielen Menschen in Rheinberg. Sie wollen ihre an Demenz erkrankten Angehörigen nicht in ein Pflegeheim abgeben. Aber ständig für sie da zu sein, überfordert ihre eigenen Kräfte. „Wenn ich meine Mutter ein, zwei Mal im Monat in eine Betreuung geben könnte, hätte ich mal wieder etwas Luft und Zeit für mich.“

Da könnte die „Tagespflege Rheinberg“ der Grafschafter Diakonie eine gute Möglichkeit sein. Am 2. Juli eröffnet sie am Annaberg. Gestern hatte die Diakonie zur Fragerunde und zum Rundgang durch das neue Gebäude eingeladen. Und neben Ingrid Mehrfeld waren noch weitere interessierte Angehörige gekommen.

Platz für 18 betreute Gäste

Auch wenn die Handwerker derzeit noch fleißig arbeiten – schon jetzt ist zu erkennen, dass das Gebäude neben dem Haus der Generationen ein echtes Schmuckstück wird. Große Glasfenster, eine Terrasse, und auf etwa 300 Quadratmetern genug Platz für 18 betreute Gäste..

Für deren Betreuung stehen drei Vollzeitstellen bereit, die sich auf sechs Halbtagskräfte verteilen. Hinzu kommen Hauswirtschaftskräfte und drei Stellen im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), für die die Diakonie momentan noch Bewerber sucht. Anfangs startet die Tagespflege an zwei Wochentagen – wahrscheinlich montags und dienstags – von 8 bis 16.30 Uhr. Bei Bedarf soll das Angebot ausgebaut werden.

Die Leitung der Tagespflege übernimmt Anja Werner-Kubitz. Die 36-Jährige arbeitet seit drei Jahren als Krankenschwester in der Diakoniestation Rheinhausen und hat eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung abgeschlossen. „Ich möchte es den Menschen ermöglichen, so lange es geht, in der häuslichen Umgebung zu leben“, beschreibt sie ihr Ziel. Dazu werde die Tagespflege eng mit der ambulanten Pflege der Diakonie zusammen arbeiten.

Sehr guter Eindruck

Auf Ingrid Mehrfeld macht das alles einen „sehr guten Eindruck“. Sowohl die Räumlichkeiten, als auch die vielen Angebote für die Betreuten. „Das hört sich gut an.“ Vielleicht wird sie ja bald wieder etwas mehr Luft haben.

Die Diakonie sucht Interessenten für ein Freiwilliges Soziales Jahr: Tel. 02843 / 4640.

Individuelle Kostenermittlung

Wie hoch die Kosten für die Tagesbetreuung sein werden, steht noch nicht fest. „Sie dürften inklusive der Verpflegung bei etwa 70 Euro pro Tag liegen“, schätzt Dagmar Balluff, die bei der Grafschafter Diakonie den Pflegedienst leitet. Hinzu kämen gegebenenfalls Kosten für den Transport, die – je nach Ortsteil – zwischen 11 und 18 Euro liegen dürften. Was die Pflegeversicherung übernimmt, können sich Interessierte bei der Diakonie individuell errechnen lassen: ebenfalls Tel. 02843 / 4640. Ein Richtwert: Für einen Demenzkranken mit der Pflegestufe 1 zahlt die Pflegeversicherung einen Tag pro Woche. „Das ist Geld, das sonst verfällt“, sagt Balluff.

 
 

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