Die andere Seite von Nimmerland

Rheinberg/Duisburg..  Am Dienstagnachmittag schien alles so einfach. Da sprach sich der Rat einmütig dafür aus, den Duisburger Verein Nimmerland mit der geplanten Großtagespflege in Ossenberg zu beauftragen. Ob das eine so gute Entscheidung war, bleibt abzuwarten. Denn gegen die Leiterin der Duisburger Einrichtung, die als Vorzeige-Kita schlechthin gilt, ermitteln Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung (siehe Bericht im überregionalen Teil).

Die Verwaltung habe davon nichts gewusst, betont Bürgermeister Hans-Theo Mennicken. Richtig sei, dass es einen anonymen Brief gegeben habe. Und auch richtig sei, dass am Dienstagvormittag, also vor der Entscheidung im Stadtrat, eine Journalistin dieser Zeitung mit Fachbereichsleiter Frank Meyer über das Thema und die Ermittlungen gesprochen habe. Daraus habe sich aber nicht die Notwendigkeit ergeben, den Rat vor der Entscheidung am Nachmittag darüber zu informieren.

Stadtverwaltung: Keine Beweise

Zum einen, betont Mennicken, gelte die Unschuldsvermutung, zum anderen sei für die Stadt noch nichts Entscheidendes und Gravierendes passiert. Denn erst nach der Entscheidung, Nimmerland den Zuschlag für die Großtagespflege in Ossenberg zu geben, beginne die Stadt mit den Verhandlungen mit dem Verein.

Für den Vertrag müssten viele Dinge offengelegt werden, auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Finanzamt gehört dazu. Und erst danach werde ein Vertrag abgeschlossen. Für die Stadt gebe es bislang keinerlei Beweise für die Vorwürfe. Nach dem anonymen Brief habe die Verwaltung mit der Leiterin der Einrichtung gesprochen, sie habe erklärt, dass an der Sache nichts dran sei. Es soll sich lediglich um eine Art Rosenkrieg zwischen ihr und ihrem Ex-Mann handeln.

Der Beschluss habe auch gefasst werden müssen, um die Gelder für die Renovierung freizugeben. Noch einmal: Der Stadt sei kein Schaden entstanden und „einen Träger finden wir allemal“, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. Aber wie gesagt: Man wisse nichts, auch Nachfragen bei anderen Behörden hätten nichts ergeben, und es gelte die Unschuldsvermutung.

Zwei Bewerber für Ossenberg

Für die Großtagespflege in Ossenberg hatte es zwei Bewerber gegeben. Nimmerland und den Caritasverband Moers-Xanten. Nimmerland hatte bei Ortsterminen einen ausgesprochen guten Eindruck hinterlassen. Hinzu kommt, dass angesichts der finanziellen Misere der Stadt auch die Kosten ein Argument für die Duisburger waren. Sie hatten das deutlich günstigere Konzept vorgelegt.

 
 

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