Der Tote aus dem See

Letztes Geleit in Rheinbergfür den kanadischen Soldaten.
Letztes Geleit in Rheinbergfür den kanadischen Soldaten.
Foto: Kai Kitschenberg
72 Jahre wurde John Joseph Carey vermisst. Jetzt ruht er auf dem Rheinberger Soldatenfriedhof

Rheinberg..  John Joseph Carey war 22 Jahre alt, als er am späten Abend des 28. August 1942 zusammen mit sechs Kameraden im Halifax-Bomber der kanadischen Luftwaffe abhob. Es war der letzte Flug des jungen Mannes aus Ottawa. Die Maschine wurde über der Vulkaneifel abgeschossen und versank im Laacher See. Nur drei der sieben Männer an Bord überlebten. John Joseph Carey starb. Und erst gestern, 72 Jahre nach seinem Tod, konnten die Verwandten Abschied von ihm nehmen – auf dem „Rheinberg War Cemetery“, den die meisten hier als „Englischen Friedhof“ kennen.

Die pinken Leggings von Careys Großnichte und das rote Ahornblatt der kanadischen Flagge, die den Sarg bedeckte, waren die einzigen Farbtupfer während der Zeremonie. Der dunkle Regenhimmel ließ sogar die vielen tausend weißen Kalk-Grabsteine der im Krieg Gefallenen grau erscheinen. Es regnete nicht, es schüttete. Tapfer zogen die kanadischen Soldaten ihr Programm zu Ehren des Toten durch. Sie salutierten, nahmen die Mützen vom Kopf, marschierten pitschnass auf der Stelle und standen still, während der Dudelsack-Spieler traurige Töne anstimmte.

Selbst der Geistliche, der die Trauerworte auf Englisch ins Mikrofon sprach, stand eine gute Stunde im Regen. Nur für die Verwandten und die hochrangigen Gäste – vom Brigadegeneral der Luftwaffe bis zum Leiter des Kanadischen Konsulats – war ein kleines Zelt als Wetterschutz aufgebaut.

Für drei Männer aus Rheinland- Pfalz war die Beisetzung des kanadischen Soldaten ein besonders bewegendes Ereignis. Denn die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes hatten die sterblichen Überreste von John Joseph Carey tief unten am Flugzeugwrack im Laacher See entdeckt. Was für die Experten eine besonders schwierige Angelegenheit war, da das Flugzeug noch immer voller Bomben ist und nicht geborgen werden kann. Vor sechs Jahren gelang es den Tauchern wenigstens, einen Teil des Skelettes aus dem Wasser zu holen.

Wissenschaftler der Uni Bonn übernahmen die genetische Untersuchung, konzentrierten sich beim Abgleich aber auf Verwandte des anderen noch vermissten Soldaten, der gemeinsam mit Carey abgestürzt war. Fehlanzeige! Erst 2013 bestätigten weitere Analysen der sterblichen Überreste die Verwandtschaft mit einem Bruder von John Joseph Carey, der den Zweiten Weltkrieg als Soldat überlebt hatte. Die Beerdigung seines 72 Jahre lang vermissten Bruders hat er allerdings nicht mehr erlebt: Der Kanadier starb einen Monat vor der Beisetzung in Rheinberg.

 
 

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