Das letzte Bergwerk am Niederrhein ist in Rheinberg-Borth

Mit Kernbohrmaschinen eingesetzt, die bis zu zwei Kilometer in das Salzlager hineinschauen, werden die Partien mit dem besten Salz gefunden.
Mit Kernbohrmaschinen eingesetzt, die bis zu zwei Kilometer in das Salzlager hineinschauen, werden die Partien mit dem besten Salz gefunden.
Foto: K+S
In Rheinberg-Borth werden bis zu 12.000 Tonnen Steinsalz täglich gefördert. Verarbeitet kommt es unter anderem in den Streuer auf dem Esstisch.

Rheinberg-Borth.. Ganz entspannt bei etwa 30 Grad im offenen Jeep am Niederrhein herumcruisen und das in diesen Tagen – geht nicht? Geht doch! Ist aber ein bisschen dunkel oder nur elektrisch beleuchtet. Und ein paar Hundert Meter tief unter der Erde. Und man kann nicht mal eben losfahren, wenn einem gerade der Sinn danach steht, sondern muss entweder bei Esco beschäftigt sein oder als Gast in das Salzbergwerk einfahren. Dann allerdings steht diesem Erlebnis nichts im Wege.

Bevor es mit einer Geschwindigkeit von etwa zwölf Metern pro Sekunde, das sind ein bisschen mehr als 40 km/h, in eine Tiefe von über 700 Metern geht, erfolgt natürlich eine Sicherheitseinweisung. Da lernt man, dass im Förderschacht unbedingt die Schutzbrille aufzusetzen ist, dass unter Tage die Arbeitsmaschinen Vorfahrt haben, weil sie teilweise so große Schaufeln besitzen, dass die Fahrer gar nicht sehen können, was sich davor befindet. Ach ja: Der Helm ist natürlich ein ebensolches Muss wie der Selbstretter, der im Fall des Falles eine Zeit lang Luft zum Atmen bietet. Und ohne die grubentypische Bekleidung geht auch nichts.

Die Felder reichen im Nordwesten bis unter den Altrhein nach Xanten

Je weiter weg man von dem Förder- und Seilfahrtschacht an der Grenze zwischen Niederwallach und Alpen-Menzelen-Ost und damit von der Wetterführung, der Belüftung im Bergwerk, kommt, desto wärmer wird es. Im Winterhalbjahr kann das ganz angenehm sein, und „wir hatten auch schon einmal hier unten bei ganz extremer Sommerhitze niedrigere Temperaturen als über Tage“, erzählt Markscheiderin Antje Bräunig.

Wenn man das Grubengebäude in seiner Ausdehnung abfährt, kommen schon einige Kilometer zusammen. Die Felder reichen im Nordwesten bis unter den Altrhein nach Xanten, im Westen bis Birten und im Süden bis nach Menzelen-West und Grünthal. Abgebaut werden verschiedene Salze: Weiß-, Normal und Primasalz. Vereinzelt kommen auch Rot- und Gelbsalz vor. Sie liegen aber üblicherweise außerhalb des eigentlichen Abbaubereichs.

Wie im Steinkohlenbergbau ist auch die Gewinnung von Salz mit Lärm und Staub verbunden. Mit Hilfe von Kernbohrmaschinen, in deren Löcher Sonden für Radarmessungen eingeführt werden, wird festgestellt, wie die Salzschicht gelagert ist. Bräunig: „Dann können wir entscheiden, wo wir abbauen.“ Vor dem Abbau kommen auch wieder Bohrmaschinen zum Einsatz – diesmal aber, um die Gewinnungssprengungen vorzubereiten. Nach der Zündung ist das Salz gelockert, wird mit riesigen Radladern zu Brechern gefahren, dort zerkleinert und dann über Bänder in Richtung Förderschacht transportiert. Der bei dieser Produktion entstehende Salzstaub ist übrigens im Gegensatz zum Kohlenstaub für Menschen unschädlich.

Unter Tage herrscht keineswegs rechtsfreier Raum

Bei dem sogenannten Kammerbau entstehen Hohlräume von bis 20 Metern Höhe. Einzelne Stellen, sogenannte Pfeiler, bleiben stehen. Sie werden so berechnet, dass die Stabilität des Bergwerks auf Dauer erhalten bleibt.

Unter Tage herrscht keineswegs rechtsfreier Raum. Es gibt nicht nur die Notwendigkeit, eine speziell auf die Grubenverhältnisse ausgerichtete Fahrberechtigung zu erwerben, sondern es gibt besondere Vorfahrtsregeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen – und die regelmäßige Untersuchung der Fahrzeuge durch eine Überwachungsorganisation. Damit die Maschinen immer einsatztauglich sind, existiert im Bergwerk auch eine Werkstatt. Im Grunde sieht sie aus wie jede andere. Allerdings ist sie für richtig große Geräte ausgelegt. Und die Wände sind aus Salzgestein.

Wegen der Trockenheit in der Grube ist das sich auf den Fahrzeugen und Maschinen ablagernde Salz kein Grund für Korrosion. „Erst wenn sie nach oben gebracht werden und dort mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen, fangen sie an zu rosten“, so Bräunig.

Die maximale Förderung beträgt 12 000 Tonnen pro Tag

Nach der Gewinnung wird das Salz, das nicht in einem großen Lager unter Tage zwischengelagert wird, an die Oberfläche gebracht. Dazu gibt es im Schacht eine sogenannte Skipförderung: Zwei Gefäße bringen im Wechsel jeweils 20 Tonnen nach oben. Die maximale Förderung beträgt 12.000 Tonnen pro Tag. Über Tage wird das Salz weiterverarbeitet – in der Mühle, in der Saline, zu Tabletten, zu zwölf verschiedenen Stein- und Siedesalzkörnungen und etwa 400 verschiedenen Artikeln, die in privaten Haushalten, der Nahrungsmittelindustrie, gewerblich (Wasserenthärtung, Tierernährung, Gerbereien), als Badesalz, aber auch im medizinischen Bereich für Infusionen und Medikamente eingesetzt werden.

Natürlich wird Salz auch zum Auftauen eingesetzt. Aber das ist jetzt hier noch nicht so sehr gefragt.

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