Bürger gegen Burger - eine Stadt kämpft gegen McDonald’s

Carmen Friemond
Passt McDonald’s nach Xanten? Viele Domstädter sagen "Nein!".
Passt McDonald’s nach Xanten? Viele Domstädter sagen "Nein!".
Aufstand am Niederrhein: Eine kleine Stadt wehrt sich mit aller Kraft gegen eine Ansiedlung von McDonalds. Die Römer-, Dom- und Siegfriedstadt Xanten will ihr Alleinstellungsmerkmal behalten und zudem kein Fastfood-Restaurant im Eingangsbereich zu einem Wohn- und Naturschutzgebiet. Der Ausgang des Kampfes ist offen.

Xanten. Halten wir’s mit Asterix. Wir befinden uns im Jahre 2013. Ganz NRW ist von McDonald’s besetzt. Ganz NRW? Nein! Eine von unbeugsamen Menschen bevölkerte kleine Stadt hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Diese Stadt heißt Xanten, die Römer-, Dom- und Siegfriedstadt. Ein Touristenmagnet am linken Niederrhein, durchschnittlich kommen pro Jahr 800 000 Besucher.

Ein idyllischer Ort mit römischen Ausgrabungsstätten und einem schönen historischen Ortskern. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, hier sind die politischen Verhältnisse seit Jahren unverändert: Meist regiert die CDU mit absoluter Mehrheit. Und jetzt das: Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren wehren sich Bürger vehement gegen die Ansiedlung eines Fastfood-Restaurants.

Errichtung eines „Kraftfahrer-Schnellrestaurants“

Vorläufiger Höhepunkt: Die Xantener haben ein Bürgerbegehren gegen McDonald’s gestartet und in einer Woche mehr als 2000 Unterschriften gesammelt. Viel mehr, als sie nach den Buchstaben des Gesetzes brauchen. Aber dem Bürgerforum Xanten, der Initiative, die hinter dem Bürgerbegehren steht, geht es um mehr als die reine Quote. Offiziell wendet sich das Bürgerbegehren gegen die Änderung der Bauleitplanung. Das ist ein Novum in NRW, bis vor zwei Jahren waren Bürgerbegehren gegen Bauleitplanungen nicht zulässig.

Und darum geht es: An der Kreuzung der Bundesstraße 57 in Xanten, an der die Touristen in Richtung des Naturschutzgebietes Bislicher Insel abbiegen, soll ein Gewerbegebiet entstehen. Damit soll ein s „Kraftfahrer-Schnellrestaurant“ möglich gemacht werden, wie es neutral heißt. Aber längst weiß in Xanten jeder, dass es um McDonald’s geht. Bislang findet man dort, wo nach den Vorstellungen von Bürgermeister Christian Strunk (CDU) bald Burger gebraten werden sollen, grüne Wiese.

Xanten hat viele Alleinstellungsmerkmale

Drei Männer stehen hinter dem Bürgerbegehren gegen die geplante Ansiedlung, sie haben es initiiert: Dr. Jo Becker, Peter Hilbig und Franz Steeger. Sie stehen für die verschiedenen Interessenlagen, die sich vermengen. Die wichtigste lautet: McDonald’s gehört nicht an diesen Standort, nicht in den Eingangsbereich eines Wohn- und eines Naturschutzgebietes. Denn die Bislicher Insel ist eine der wenigen noch vorhandenen Auenlandschaften in Deutschland. Punkt zwei: Xanten hat viele Alleinstellungsmerkmale – Römer, Dom, Nibelungen, Xantener Nord- und Südsee, die Stadt unterscheidet sich von anderen Kommunen – und so soll es bleiben.

So sehen es offenbar sogar die Touristen. Becker, Hilbig und Steeger berichten übereinstimmend von ihren Erfahrungen an den Infoständen: „Die Menschen kommen nicht nach Xanten, um hier zu McDonald’s zu gehen, das sagen uns viele Besucher der Stadt.“ Und schließlich, Punkt drei, gibt es noch die Fraktion derjenigen, für die der Way of Life, der Lebensstil, für den Fastfood steht, an sich indiskutabel ist.

Vor zehn Jahren scheiterte McDonald's an massiven Protesten

Dabei ist die Idee, McDonald’s in die Stadt zu holen, nicht neu. Vor zehn Jahren gab es schon einmal den Plan, den Burger-Riesen anzusiedeln, nur wenige hundert Meter entfernt vom jetzigen Standort. Der Plan scheiterte damals schon an massiven Protesten. Ob der Widerstand Bürgermeister Christian Strunk dieses Mal beeindruckt, bleibt abzuwarten. Denn Strunk geht. Im Mai nächsten Jahres tritt er nicht mehr zur Wahl an, sondern wechselt in die Kiesindustrie.

Der große Zuspruch für das Bürgerbegehren, auch von jüngeren Leuten, ist aber nicht allein mit den verschiedenen Interessenlagen zu erklären. In Xanten hat sich viel aufgestaut, hier entlädt sich gerade etwas. Die Unzufriedenheit mit dem Bürgermeister und seiner Mehrheitsfraktion ist groß, es liegt Wechselstimmung in der Luft. Xanten lebt vom Tourismus, aber nicht zum ersten Mal haben die Xantener das Gefühl, dass die Touristen für ihre Stadtspitze alles und sie selber nichts sind.