Borth sitzt auf dem Trockenen

Die Kleinschwimmhalle Borth ist geschlossen.
Die Kleinschwimmhalle Borth ist geschlossen.
Foto: WAZ FotoPool
Betrieb der Kleinschwimmhalle ist aufgrund eines defekten Filters eingestellt. Der Schaden ist irreparabel und könnte zur endgültigen Schließung führen

Rheinberg-Borth.  Es ist eigentlich ganz einfach. Ein Schwimmbad braucht eine funktionierende Filteranlage, sonst muss es zumindest vorübergehend geschlossen werden. Am 25. September wurde aus diesem Grund der Betrieb in der Borther Kleinschwimmhalle eingestellt. „Der Filter ist unerlässlich, um die vorgeschriebene Wasserqualität zu gewährleisten.“ Ralf Chowanietz vom Fachbereich Immobilienwirtschaft beauftragte daraufhin zwei Fachfirmen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die bittere Diagnose: die Anlage in Borth ist an 13 Stellen durchgerostet, weitere Löcher treten bereits bei geringem Druck auf. Eine Reparatur ist, so urteilten die Gutachter unabhängig voneinander, nicht mehr möglich.

Die Kosten für eine neue Anlage betragen 28 968,29 Euro. Brutto. Eine Summe, die die Stadt nicht mal eben aus der Portokasse bezahlen kann. „Dazu kommt die Tatsache, dass beim Einbau derselben Filteranlage die Wände eingerissen werden müssten“, so Chowanietz. Seit 1975 ist die Stadt als Eigentümer der Kleinschwimmhalle für den Betrieb verantwortlich. Ob es seitdem Reparaturen an der Filteranlage gegeben hat, und wenn ja, welche, kann im Stadthaus weder bestätigt noch dementiert werden: „Dazu gibt es laut Aktenlage keine Informationen.“

Die Schließung der Schwimmhalle war im Zuge des Haushaltssicherungskonzeptes für die zweite Jahreshälfte 2014 angepeilt. Nun könnte das Aus wesentlich abrupter kommen als geplant: Die Arbeitsgruppe Haushaltskonsolidierung hatte schon vor dem aktuellen Schaden angeregt, eine sofortige Schließung zu veranlassen, wenn Reparaturkosten von über 20 000 Euro entstehen. Exakt dieses Szenario ist jetzt eingetreten. Daher lautet die Beschlussempfehlung der Verwaltung für den morgen tagenden Haupt- und Finanzausschuss klar und deutlich, die vorübergehende Schließung in eine dauerhafte umzuwandeln. Damit säße Borth ein Jahr früher als geplant auf dem Trockenen. Und zwar endgültig. Die klamme Stadtkasse spart so die jährlichen Betriebskosten in Höhe von 80 000 Euro.

Wohin mit den Kursen?

Unter dem Schlussstrich stünde eine lange Liste der Betroffenen. Egal ob Kindergarten, Schule am Deich, Concordia Ossenberg, Caritas, DLRG, Volkshochschule oder die Wasserwacht des Roten Kreuzes: sie alle sitzen im selben Boot und nutzen täglich die Halle. Der Belegungsplan der Kleinschwimmhalle ist engmaschig, es gibt kaum ein Zeitfenster, das ungenutzt ist. Wohin nun mit den Teilnehmern der Schwimmkurse? Ein Vergleich mit den Öffnungszeiten und Angeboten des Solvay-Hallenbades lässt vermuten, dass nicht für alle eine adäquate Ersatzzeit in Rheinberg gefunden werden kann. Entweder müssen die öffentlichen Öffnungszeiten oder die Kapazitäten für das Vereins- und Schulwesen reduziert werden. Denkbar ist auch eine Kooperation mit den benachbarten Kommunen.

„Ein Plan, wie wir eine mögliche dauerhafte Schließung in Borth kompensieren können, ist in Arbeit“, so Michael Feldhaar, der für die Belegungszeiten der Hallenbäder im Stadthaus zuständig ist. Dieser Plan soll dem morgigen Ausschuss, spätestens aber dem Rat vorgelegt werden.

Der tagt am 15. Oktober und steht „vor einer sehr schwierigen Entscheidung“, wie Klaus Helmes meint. Auf der einen Seite sieht der Borther Ortsvorsteher die finanzielle Schieflage der Stadt, auf der anderen Seite kennt er die Bürger des Rheinberger Nordens: „Etwas so Liebgewordenes wie die Kleinschwimmhalle gibt man nicht gerne ab.“