Borth kämpft um sein Bad

Gestern trafen sich Politiker mit Bürgern zur Ortsbegehung.
Gestern trafen sich Politiker mit Bürgern zur Ortsbegehung.
Foto: WAZ FotoPool
Knapp 40 Bürger kamen zu einem Ortstermin zum von der Schließung bedrohten Hallenbad. Unterschriften zum Erhalt gesammelt

Rheinberg-Borth.  Damit hatte Wolfgang Fillers nicht gerechnet. Der CDU-Ratsherr beschäftigt sich seit der Verabschiedung des Haushaltskonsolidierungs-Konzeptes, das eine Schließung des Borther Hallenbades Ende 2014 vorsieht, in einer Arbeitsgruppe mit Möglichkeiten, das Gebäude zu erhalten. Gestern Abend wollte er mit seinen Kollegen von der Arbeitsgruppe sowie Georg Lindbüchl, der sich seit 15 Jahren um die Technik im Alpener Hallenbad kümmert, einen Ortstermin an der Pastor-Wilden-Straße wahrnehmen.

Das Interesse am Sachverhalt ist aber aktuell so groß, dass sich knapp 40 Bürgerinnen und Bürger der Gruppe anschlossen und sich selbst im Inneren des Schwimmbades ein Bild davon machten, wo der Schuh drückt. „Die Sache ist kein Politikum, sondern ein Bürgeranliegen“, sagt Fillers mit Blick auf das interfraktionelle Engagement: die direkt in Borth gewählten Ratsmitglieder von CDU, SPD und Grünen kämpfen gemeinsam um den Erhalt der Halle.

Und sie erhalten von der Basis auch einen Auftrag dazu. Knapp 700 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben verschiedene Listen, die den Erhalt des Gebäudes fordern. „Wir sind nicht von Tür zu Tür gegangen, das hatte eine Eigendynamik. Die Listen lagen beim Frisör, im Kindergarten, auf dem Schießstand – vor der Ratssitzung werde ich dem Bürgermeister die Listen übergeben“, erklärt Michael Schellen aus Borth.

Der Rat tagt heute ab 17 Uhr im Stadthaus, Wolfgang Fillers geht mit einem klaren Ziel in die Sitzung: „Wir wollen eine Mehrheit mobilisieren, um den Betrieb kurzfristig aufrecht zu erhalten und langfristig zu sichern.“ Konkret bedeutet das: der ominöse Wasserfilter muss ausgetauscht werden, die knapp 30 000 Euro müssten an anderer Stelle im Haushalt gespart werden.

Georg Lindbüchl hat die Begebenheiten in Borth genau unter die Lupe genommen, sein Urteil zählt aber nicht, da es nun mal kein offizielles Gutachten ist. „Wenn der Filter getauscht ist, die Wasserführung optimiert wird und das Gebäude besser isoliert ist, kann hier viel an Betriebskosten gespart werden.“ Allein die Installation eines Schwallwasserbeckens, Lindbüchl kalkuliert die Kosten auf knapp 200 000 Euro, würde sich „in zwei bis drei Jahren amortisieren“ und den Wasserverbrauch enorm senken.

Warum nicht sanieren?

Dieser Umstand veranlasst die SPD Borth zu folgender Frage: „Warum möchte man die Abrisskosten in Kauf nehmen und zwei Millionen Euro für den Neubau einer Turnhalle in die Hand nehmen, wenn man für den Bruchteil des Geldes das alte Gebäude nachhaltig sanieren könnte?“