Bitte (noch) nicht einsteigen!

Die neuen Bürgerbusfahrer wurden geschult.
Die neuen Bürgerbusfahrer wurden geschult.
Foto: WAZ FotoPool
Mitte März nimmt der Rheinberger Bürgerbus seinen Betrieb auf. Seit gestern werden die 23 Fahrerinnen und Fahrer geschult

Rheinberg..  Ist ja kein Wunder, wenn der junge Mann, der am Rathaus wartet, gleich einsteigen will. Er wartet auf den Bus, da kommt ein Bus, der hält auch ganz vorschriftsmäßig - also bitte schön, warum soll er nicht mitfahren dürfen? Die Antwort ist ganz einfach. Weil das gestern nur eine Probefahrt war. Mitte März nimmt der Rheinberger Bürgerbus seinen Betrieb auf. Seit gestern werden die 23 Fahrerinnen und Fahrer geschult. Und dazu gehört eben auch, dass sie lernen, wie sie Haltestellen anfahren müssen.

Abstand halten

Das ist nämlich gar nicht so einfach. Weil zum Beispiel nicht alle Bordsteine genormt sind. Wenn der Bus hält und sich die Flügeltüren öffnen, senken sie sich ab. Ist der Bordstein zu hoch, setzt die Tür auf. Dort heißt es dann: Abstand halten. „Vielleicht sogar besser ein bisschen mehr“, sagt Niag-Fahrlehrer Wilfried Vogel, der die Rheinberger schult. So viel, dass Platz genug ist, damit die Fahrgäste zwei Schritte machen können, um in den Bus zu steigen. Denn: „Immer daran denken, dass ältere Menschen nicht mehr so große Schritte machen können.“

An drei Tagen in der Woche ist der Bürgerbus bis zum offiziellen Start in der Stadt unterwegs. Dienstags, mittwochs und donnerstags, jeweils vor- und nachmittags wird die Route abgefahren, werden Besonderheiten trainiert und geübt, geübt, geübt. Ronald Hoffmann ist der erste Fahrer gestern Nachmittag, der ans Steuer darf. Bis er Gas geben kann, dauert es allerdings noch. Erst kommt die Theorie, sprich die Technik und die vielen Tasten des schicken Mercedes Sprinter mit dem Kennzeichen WES-NI-124. 0124 ist die Betriebsnummer bei der Niag, alle Busse haben diese Zahl dann im Kennzeichen. Weiß, an manchen Stellen blau abgesetzt, ist der schicke Bus, innen hat er acht Sitze und mehr Beinfreiheit als in jedem Flugzeug, dazu Platz für Menschen im Rollstuhl. Und natürlich eine ausziehbare Rampe, damit die auch bequem in den Bus kommen können.

Der Fahrersitz muss genau eingestellt werden, da kennt Wilfried Vogel kein Pardon. Höhe, Nähe zu den Pedalen, die Stützen für die Wirbelsäule, ach ja, und das Gewicht des Fahrers nicht vergessen. Das tippt er an der Seite des Sitzes ein und schon ist die Polsterung perfekt. Wer friert, kann übrigens die Sitzheizung einstellen.

Jetzt kann’s losgehen. Karl-Heinz Lochen, der Vorsitzende des Bürgervereins schaltet den Tablet-PC ein. Der gibt die Route vor, dort kann mit einem Fingerzeig der richtige Tarif ausgegeben werden und vieles mehr. Ronald Hoffmann gibt Gas. Ganz geschmeidig. Kein Wunder, er war Betriebsführer bei der Esco und hat solche und ähnliche Gefährte schon gefahren. Deshalb kommt er auch gut um die erste Kurve. Was mit einem Gefährt, das deutlich länger ist als ein herkömmlicher Pkw, gar nicht so einfach ist. Die Kurve weit nehmen, sagt Winfried Vogel. Und die Spiegel nicht vergessen. Der Bürgerbus, weiß der Fachmann, hat unendlich viele tote Ecken, da heißt es aufpassen. Überhaupt, erklärt Vogel: „Ein Auto, das man nicht kennt, kann man nicht nach Gefühl fahren, da muss man in die Spiegel schauen.“

Mehr als zwei Stunden dauert die Tour, quer durch Rheinberg. In Wallach sind die Aufpflasterungen tückisch, wer hier zu schnell fährt, setzt auf. An der nächsten Haltestelle parken Pkw - was tun? Zur Not auf der Straße halten, so der Rat vom Fachmann. Und ganz zum Schluss gibt es noch einen guten Tipp: Vorne beim Fahrer ein kleines Sparschwein deponieren. Denn der Bürgerbusverein, der keine Trinkgelder und Spenden bekommt, den gibt es nicht.

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