Ausdruckstanz in der Werkstatthalle

Xanten..  Ausdruckstanz in einer Werkstatthalle. Wer denkt, das passt nicht, der täuscht sich. Das „X-legged Rose“ der Dommusikschule zeigte: Es geht. In der Werkstatt des Busunternehmens Scholten trat die Tanzgruppe am Samstag schon zum dritten Mal auf. Von außen kann man sich kaum vorstellen, wie drinnen ein gefühlvoller und ausdrucksstarker Tanz rübergebracht werden soll.

„Der Auftritt war zuerst am Dom geplant, doch dann kam ‚Rock am Dom’ dazwischen“, verriet Thomas Brezinka, Leiter der Dommusikschule. Die Verlegung der Veranstaltung machte sie allerdings in keinem Falle schlechter. Gerade die Spannung zwischen der Werkstatthalle und den filigranen und sanften Bewegungen machte die Besonderheit der Vorführung aus.

Die Premiere des Stückes „conscious – subconscious“ begann pünktlich. Eine zarte Dame wickelte sich aus einem Betttuch. Ihr Blick: nüchtern. Ihre Bewegungen: fließend. Was sie vorhatte, wurde zuerst nicht klar. Dieses Gefühl begleitete den Zuschauer durch die gesamte Vorstellung: Nicht fragen nach dem Warum, sonder einfach genießen. Die Bewegungen der vielen Tänzerinnen geschahen bewusst: Manchmal bewusst synchron, manchmal bewusst asynchron. Teilweise hektische Bewegungen machten den Kontrast zur monotonen Musik perfekt. Andersherum passten langsame, zarte und bewusste Bewegungen als Gegenspiel zum flackernden Scheinwerferlicht.

Das Team besteht aus drei verschiedenen Gruppen: Einem Hauptensemble aus ehemaligen Schülerinnen von Trainerin Annette Piscantor, einem Nachwuchsensemble, das von aktuellen Schülerinnen gestellt wird und einer Gruppe von älteren Damen. „Sie tanzen dem Alter gerecht, nur den Tanz im reduzierten Sinne“, schmunzelte die Trainerin.

Die Geschichte hinter dem Stück wurde nach und nach deutlicher: Die Tänzerinnen stellten Traumfetzen nach. Das erklärte auch die Dame, die den Auftritt in ihrem Betttuch eröffnete. Denn um ihre Träume ging es. Eine „andere Sehgewohnheit“ nennt Annette Piscantor die Location. Eben die Umgebung mache den Tanz noch prickelnder und spannender.

Wenn die Zuschauer ihre Augen geschlossen ließen, konnten sie eine Mischung aus Motoröl, altem Holz und Schweiß erahnen. Schweiß und Anstrengung, die man den Tänzerinnen in keiner Sekunde im Gesicht ablesen konnte. Das blieb die meiste Zeit mit verstörend neutraler Mimik ausgestattet. Zu einigen Gesichtsausdrücken fehlten nur noch laute Schreie, aber die blieben aus. Außer der Musik - kein Wort, kein Ton, die ganze Zeit.

Tänzerinnen, Trainerin und die etwa 80 Zuschauer waren, trotz leichter technischer Probleme, sichtlich erleichtert und zufrieden. Kunst in der Werkstatt? Geht doch.

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