Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Gut erhalten: die Stuckdecke.
Gut erhalten: die Stuckdecke.

Rheinberg.. Jahre lang lag das Haus an der Ecke zum Rheinberger Markt im Dornröschenschlaf.

Die Erbengemeinschaft hatte die original erhaltenen Fensterläden geschlossen und die Tür verriegelt. Der Schlüssel war im Büro von Bürgermeister Hans-Theo Mennicken hinterlegt.

Der Verkauf und die anschließende Nutzung des leerstehenden und denkmalgeschützten Gebäudes, das im 17. Jahrhundert im Stil des niederländischen Barocks errichtet wurde, drängte sich nicht auf, weil die Kosten für die Sanierung eine profitable Vermarktung ausschließen.

Kürzlich hat sich der Rheinberger Unternehmer Franz-W. Aumund ein Herz gefasst und die ehrwürdige Immobilie für eine nicht genannte Summe erworben. Bevor die Sanierung los gehen kann, hat Aumund eine Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben. Der Duisburger Architekt Martin Hebgen soll einen Bedarfsplan erstellen. Wenn dieser Ende November vorliegt, kann sich Aumung auch ausrechnen, was ihn die Restauration des Schatzkästchens kosten wird.

Im Anschluss an die Arbeit des Architekten wird ein konkretes Maßnahmenpaket geschnürt, bis Ende 2012 sollen alle notwendigen Umbau- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein.

Für die Mitarbeiter des Architekturbüros Hebgen ist die Arbeit mit denkmalgeschützten Objekten tägliches Brot: Sowohl die Essener Folkwang-Universität, die Abteikirche St. Ludgerus in Essen-Werden als auch den Duisburger Rathausturm und diverse Gerichtsgebäude hat das Büro im Rahmen von Denkmalpflege-Projekten begutachtet.

Zusammenarbeit mit
dem Denkmalamt

„Die Kernsanierung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt, wir werden alles daran setzen, das Gebäude für eine gewerbliche Nutzung als Bürofläche interessant zu machen“, so der neue Eigentümer Franz-W. Aumund. Er möchte unter Umständen einzelne Teile seines Unternehmens in Millingen ausgliedern und am Markt unterbringen, für einen Teilbereich der Immobilie interessiert sich auch die Stadtverwaltung.

Derzeit läuft eine Bestands- und Zustandserfassung des Gebäudes. „Im Rahmen dieser Voruntersuchung gehen wir mit Fachplanern daran, das Gebäude in Augenschein zu nehmen“, beschreibt Architekt Martin Hebgen die Aufgabe. Vermutlich aus dem Jahr 1650 stammt das im nieder-ländischen Stil erbaute Bürgerhaus, das auf dem 157 Quadratmeter Grundstück in Nachbarschaft zur Polizeiwache eine Wohn-/Nutzfläche von 300 Quadratmetern aufweist. Von herausragender Qualität sind die barock ausgemalten Stuckdecken, ein Küchenkamin mit Delfter Kacheln und zumindest teilweise erhaltene Deckenmalereien.

Die Untere Denkmalbehörde hat festgestellt, dass das Gebäude eine herausragende Bedeutend für die Geschichte der Menschen in Rheinberg habe und aus künstlerischen, wissenschaftlichen, besonders architektur- und ortsgeschichtlichen Gründen besonders erhaltenswert sei.

Der ersten Betrachtung durch Architekt und Fachplaner folgen bei Bedarf tiefer gehende Untersuchungen. Dabei bleibt es nicht beim Augenschein, hier wird gemessen und geschürft: Es werden Mörtelproben genommen und Materialanalysen gemacht. Jedes einzelne Bauteil wird kartiert, erfasst und bewertet. Dabei vertraut das Planungsteam nicht nur auf das klassische Zollstock-Aufmaß, sondern auch auf einen dreidimensionalen Lasereinsatz in Zusammenarbeit mit dem Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der Fachhochschule Köln.

Ein Restaurator
begutachtet die Farbe

„Die Gesamtauswertung erfolgt mit Hilfe eines Maßnahmenkataloges, die anschließende Prioritätenliste berücksichtigt sowohl die Dringlichkeit der Sanierungsmaßnahmen hinsichtlich Bausubstanz und Schadensgrad als auch den zukünftigen Sanierungsbedarf der nächsten 15 bis 20 Jahre“, macht Martin Hebgen den Umfang der Untersuchungen deutlich.

Unterstützt wird der Duisburger Architekt in seiner Untersuchung von Statikern, Holzschutzsachverständigen, Labors und weiteren Fachfirmen. Ein Restaurator begutachtet eigens die Farbschnitte der alten und gut erhaltenen Deckenmalereien sowie das Mauerwerk auf mögliche Versalzung, Nitratbelastungen und versteckte Feuchtigkeitsschäden.

Schon jetzt ist klar, dass der neue Eigentümer einen mittleren sechsstelligen Betrag investieren muss, um das Gebäude energetisch auf den aktuellen Stand zu bringen.

 
 

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