Auf Streifen fahren

Julia Müller
Fahrradexperte Roland Pozun begrüßt die neuen Markierungen.
Fahrradexperte Roland Pozun begrüßt die neuen Markierungen.
Foto: WAZ FotoPool
Wie fahrradfreundlich ist die Stadt? Fachmann Roland Pozun lobt die neuen Markierungen. Dennoch: Kritikpunkte gibt es noch immer reichlich. Ein Überblick

Rheinberg.  Wenn der Herbstwind die Blätter auf die Radwege weht und die letzte geführte Tour des ADFC naht, dann hat Roland Pozun die Muße, das Fahrradjahr in seiner Stadt Revue passieren zu lassen. Der Mann, der seit 20 Jahren in der Ortsgruppe vorneweg radelt und genauso lange für eine fahrradfreundliche Umgebung kämpft, nimmt die Situation der Radfahrer in Rheinberg in seinem Jubiläumsjahr als Ortsgruppenleiter besonders genau unter die Lupe.

Was hat sich getan in der Stadt? Im Rahmen der Sanierung der Innenstadt, die kürzlich abgeschlossen wurde, freut sich Roland Pozun darüber, dass sich auch für die Radfahrer etwas bewegt hat. „Wir als ADFC finden es sehr gut, wenn der Radfahrer im Verkehr mitfließt. So wird er nämlich besser gesehen.“

Genau das ist nach Meinung von Pozun am Innenwall geschehen. Der Sicherheitsstreifen, der bei einigen Autofahrern für Unmut sorgte, ist für ihn eine sehr gute Sache. „Die Markierung zeigt den Freiraum der Radfahrer an.“ Im Idealfall überholen die Autos hier nicht.

Tempo 30 wäre noch besser

Bei unserem Test mit dem Redaktionsfahrrad hat das allerdings noch nicht so ganz funktioniert. Einer von fünf Fahrern quetschte sich dann doch ungeduldig an der Seite vorbei. „Das ist natürlich verboten“, sagt der ehemalige Polizist Pozun. „Die Autofahrer müssen einen Sicherheitsabstand von 1,50 Metern einhalten.“

Als Radfahrer wünscht sich Roland Pozun an dieser Stelle mehr Toleranz von den Autofahrern. Und angesichts der Debatte um die neue Markierung erinnert er an eines: „Vorher konnte man die Radfahrer hier auch nicht überholen. Das ist viel zu eng neben den parkenden Autos.“ Sein Vorschlag: „Mit Tempo 30 wäre die Situation hier noch besser.“

Nicht nur der Innenwall ist fahrradfreundlicher geworden. Der ADFC-Mann freut sich auch darüber, dass die Radwege an vielen Stellen rot markiert wurden und dass sie an Kreisverkehren wie dem an der Moerser Straße gut in den Verkehrsfluss integriert wurden.

Dennoch: Bei allem Lob gibt es für den passionierten Radfahrer immer noch genügend Kritikpunkte. „Rheinberg möchte eine fahrradfreundliche Stadt sein. Der Ansatz ist da, aber es gibt noch genug zu tun.“ Vor allem die teilweise schlechten Zustände der Radwege ärgern ihn. „Manche Wege wurden stümperhaft geflickt. Da fährt man wie auf einem Waschbrett.“ Als Beispiel nennt er den Radweg an der Xantener Straße, linke Seite Richtung Norden.

Auch Bäume und Sträucher, die bis auf den Weg wachsen, können für Radfahrer ein Ärgernis sein. „Das ist gefährlich, vor allem im Dunkeln.“ Der Radweg an der Fossa entlang Richtung Kamp-Lintfort ist besonders betroffen. Letzter Kritikpunkt: Die Bushaltestelle bei der Bäckerei Bergmann an der Xantener Straße steht noch auf Pozuns Verbesserungsliste. Hier wurde der Radweg nicht so gut markiert wie auf der anderen Seite.