Ansprechpartner für 3000 Kollegen

Tim Schmidt und Jörg Schüring über Pläne, Ideen und das Klima im Logistikzentrum

Rheinberg..  Das Büro wirkt noch ziemlich kahl. Keine Bilder an den Wänden, nichts Persönliches auf den Schreibtischen. Aber, immerhin, Computer und Telefon haben Tim Schmidt und Jörg Schüring schon. Schmidt ist der erste Betriebsratsvorsitzende bei Amazon Rheinberg, Schüring sein Stellvertreter. Auf der konstituierenden Sitzung des Gremiums wurden sie gewählt, gemeinsam mit drei weiteren Betriebsratsmitgliedern sind sie ab sofort freigestellt, um sich um die Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen kümmern zu können. Rund 3000 Mitarbeiter sind aktuell bei Amazon an der Alten Landstraße in Rheinberg beschäftigt.

Pausen- und Schichtzeiten

Das erste, was im Gespräch auffällt: Hier sitzen zwei sehr sachliche, gelassene Menschen. Zwei, die sich aufgrund ihrer Werdegänge im Metier auskennen, zwei, die sich bestimmt nicht einschüchtern lassen, aber auch wissen, dass manchmal Kompromisse erforderlich sind und das Leben kein Wunschkonzert ist, wie Schmidt es formuliert. Pausen- und Schichtzeiten stehen oben auf der Liste der Punkte, die der neue, erste Betriebsrat angehen will. Bei bei den Schichtzeiten müsse klar sein, dass es Verpflichtungen gegenüber Kunden geben, Zeiten, zu denen die Ware an einem bestimmten Ort sein müsse. Auf der anderen Seite belasteten die vielen Samstage, die gearbeitet werden müssten, die Mitarbeiter. Auf jeden Fall würden die Kollegen mit ins Boot genommen und nach ihren Vorstellungen befragt. Die Pausenzeiten sind ein weiterer Knackpunkt. Lange Wege, unter Umständen lange Wartezeiten an den Sicherheitsschleusen, wer Pech hat, kommt in der Kantine an, wenn die Pause fast vorbei ist. Das muss geändert werden, aber sollte zum Beispiel die Pause um zehn Minuten verlängert werden, weiß die Betriebsratsspitze auch: „Der Arbeitgeber wird uns diese zehn Minuten nicht schenken, die müssen vorgearbeitet oder angehängt werden.“

Dritter Punkt auf dem Programm des Betriebsrates: die Parkplatzsituation. Bekanntlich war die während des Weihnachtsgeschäftes eskaliert, als Amazonmitarbeiter die Straßen rund um das Logistikzentrum zugeparkt hatten. Auf dem firmeneigenen Parkplatz waren die Stellflächen knapp geworden. Etwas sei schon passiert, sagen Schmidt und Schüring, die Schichtzeiten seien auseinandergezogen worden. Aber das reiche nicht, vor dem nächsten Weihnachtsgeschäft müsse etwas geschehen. Und wenn einer bei Amazon vom Weihnachtsgeschäft spricht, dann meint er einen sehr frühen Zeitpunkt. Schüring: „Wir brauchen eine Lösung am Ende des Sommers.“

In Bad Hersfeld geschult

Zumal ja immer wieder zu hören ist, dass Amazon die Zahl der Mitarbeiter in Rheinberg erhöhen will. Was der Betriebsrat nicht bestätigen kann, die Gerüchte seien aber auch bei ihm angekommen. Für 4000 bis 5000 Mitarbeiter, so die grobe Schätzung von Schmidt und Schüring, sei durchaus Platz. Aber sollte das wirklich so kommen, müsse natürlich auch über Parkplatz, Sozialräume und Kantine nachgedacht werden. Zurzeit sind rund 3000 Mitarbeiter an der Alten Landstraße beschäftigt, genau 2870 waren es am Tag der Betriebsratswahl. Wie viele von den Kolleginnen und Kollegen unbefristete Verträge haben, können Schmidt und Schüring noch nicht sagen, sie fangen gerade erst an, sich in ihr Amt einzuarbeiten. Geschätzt, sagen sie, dürfte es ein Drittel mit unbefristeten Verträgen sein.

Wer bei Amazon arbeitet, wird zwangsläufig darauf angesprochen: Wie klappt’s mit dem Miteinander, mit dem Unternehmen an sich? Jörg Schüring ist ein Mann der ersten Stunde. Er hat zu denjenigen Mitarbeitern gehört, die vor dem Start in Rheinberg in Bad Hersfeld geschult worden sind. „Wir haben auch in dem Ferienpark gewohnt, der im Fernsehen war.“ Sicher, die Ferienanlage sei nicht auf dem allerneuesten Stand gewesen, „eher so, als wenn man auf Montage geht“. Aber es habe keinerlei Schwierigkeiten mit der Security gegeben. Wobei es dabei natürlich auch immer darauf ankomme, welche Firma welchen Ruf habe.

Entspanntes Verhältnis

Die Probleme, die in vielen Medienberichten angesprochen wurden, können Schmidt und Schüring nicht bestätigen. Wenn sie über das Miteinander in Rheinberg sprechen, fällt oft der Begriff „entspannt“. Sicherlich gebe es mal den einen oder anderen Vorgesetzten, der mit seiner Macht falsch umgehe. „Aber das ist eine Frage des Charakters, und das gibt es überall.“

21 Mitglieder hat der erste Betriebsrat bei Amazon Rheinberg, Wahlgewinner war die Liste der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die 15 der 21 Mandate geholt hat. Fünf Betriebsratsmitglieder sind freigestellt, darunter natürlich Schmidt und Schüring. Feste Sprechzeiten sind geplant in den beiden Betriebsratsbüros. Das zweite muss noch eingerichtet werden, in dieser Woche hatten zunächst nur der Betriebsratschef und sein Vize Schreibtische und Telefone. Die Sprechzeiten sollen so gelegt werden, dass jede Schicht auch Ansprechpartner im Betriebsratsbüro haben wird, Tim Schmidt und Jörg Schüring planen darüber hinaus, schichtübergreifend im Werk zu sein.

 
 

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