Amazon stellt in Rheinberg für Weihnachtsgeschäft Hunderte Arbeiter ein

Veit Ellerbrock
Karsten Frost erlebt die Entwicklungen am Rheinberger Standort seit Beginn der Bauphase vor vier Jahren.
Karsten Frost erlebt die Entwicklungen am Rheinberger Standort seit Beginn der Bauphase vor vier Jahren.
Foto: NRZ
Rheinberg. Für das Weihnachtsgeschäft stellt Amazon bundesweit 10.000 Saisonarbeiter ein. In Rheinberg werden es bis zum 31. Dezember mindestens 1800 sein - darunter auch Flüchtlinge.

Rheinberg. Nur noch einen Tag und es ist soweit: Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Natürlich ist der Termin fest im Kopf verankert, doch wie jedes Jahr fällt Arndt ein, dass ihm noch ein Geschenk für seine Frau Astrid fehlt. „Kein Problem“, denkt er sich, schließlich gibt es ja Amazon, die liefern sogar noch an Heiligabend aus, wenn man denn rechtzeitig bestellt hat. Also setzt er sich an seinen Laptop, öffnet die Internetseite des Versandhändlers. Einige Minuten und Überlegungen später hat er es hinter sich gebracht, das Armband, das Parfüm und die neue Weste sind bestellt.

Dass Amazon auch so kurz vor Weihnachten in der Lage ist, Bestellungen pünktlich zu liefern, liegt an den 10000 Saisonarbeitern, die jedes Jahr zum Weihnachtsgeschäft an allen neun Logistikzentren bundesweit eingestellt werden. In Rheinberg werden es am Ende mindestens 1800 Arbeiter sein, die kurzfristig bis zum 31. Dezember eingestellt werden. Die hohe Zahl der zusätzlichen Mitarbeiter zum Weihnachtsgeschäft liege vor allem am Verhalten der Kunden. „Die Kunden bestellen einmal mehr und später. Das ist für uns mit die größte Herausforderung“, erklärt Unternehmenssprecherin Anette Nachbar. Trotz alledem ist es für den Rheinberger Standortleiter Karsten Frost wichtig, die Versprechen, die man den Kunden bei einer Bestellung gebe, nicht zu brechen. Frost baute den Standort vor vier Jahren mit auf und kennt folglich das Schauspiel, das sich Jahr für Jahr zum Weihnachtsgeschäft hin abspielt, ganz genau.

Ein multikulturelles Umfeld

Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits 453 Angestellte mit befristeten Verträgen eingestellt, womit am Standort DUS2, wie der Sitz in Rheinberg intern gekennzeichnet ist, Menschen aus über 60 Nationen arbeiten. Und in den nächsten Wochen folgen weitere. Darunter seien auch Flüchtlinge, bestätigt Anette Nachbar: „Wir kooperieren mit den Behörden, damit auch sie hier arbeiten können.“

Einarbeitung ist gerade in den letzten Wochen des Jahres das Stichwort, immerhin muss die Arbeit fließend ablaufen, wenn an Spitzentagen mehrere hunderttausend Pakete verschickt werden.

Karsten Frost bestätigt aber auch: „Viele Arbeiter kommen jedes Jahr wieder. Wir melden uns bei ihnen, weil sie schon eingearbeitet sind und sich hier auskennen.“ Damit die Mitarbeiter ohne Auto abends auch nach Hause kommen, stellt Amazon Shuttlebusse zur Verfügung, die sie dann auch in Randgebiete fahren würden. Den Rheinberger Standort sieht Karsten Frost für die Zukunft gewappnet: „Der Standort hier hat einige Vorteile.“ Zum einen sei das für ihn die Lage: „Wir sind nah an der Masse unserer Kunden.“ Außerdem habe man in Rheinberg noch genügend Kapazitäten, denn selbst zum Weihnachtsgeschäft seien die Hallen lediglich zu 85 bis 90 Prozent ausgelastet. Den Rest des Jahres seien sonst nur zwei Drittel der Lagerkapazitäten ausgelastet.

Streiks kann Erfolg des Unternehmens nichts anhaben

Dem Erfolg des Unternehmens könnten auch die Streiks eines Teils der Belegschaft nichts anhaben. Sollte es wieder Arbeitsniederlegungen geben, sei der Standort vorbereitet. „Wir reagieren auf Streiks genauso, wie wir auf Schnee, Unwetter oder Ähnliches reagieren. Die Mehrzahl der Mitarbeiter arbeitet normal weiter“, sagt Karsten Frost. Vom Wintereinbruch 2012 sei Amazon beispielsweise stärker betroffen gewesen als von einem Streik.

Spurlos an ihm vorübergegangen sei die negative Berichterstattung der letzten Monate aber auch nicht. Viele Mitarbeiter seien wegen falscher Behauptungen verletzt und sagen: „Unsere Arbeit wird damit schlecht gemacht.“ Daher ist es Frost ein Anliegen, immer wieder persönliche Gespräche mit den Angestellten zu führen: „Meine Aufgabe ist, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter faire Arbeitsbedingungen haben. Ich bin jemand, der direkt auf Mitarbeiter zugeht.“ Dazu gehöre für ihn auch, die Meinungen des Anderen zu akzeptieren: „Das A und O ist der Respekt untereinander.“ Aus diesem Grund hat er bei Versammlungen auch klar gemacht, dass es jeder Mitarbeiter respektieren müsse, wenn ein anderer streikt oder eben nicht streikt. Denn am Ende des Tages stehe für Karsten Frost eines fest: „Wir wollen keine Spaltung der Belegschaft.“