Amazon-Mitarbeiter in Rheinberg fordern einen Betriebsrat

Gewerkschafter und Mitarbeiter vor dem Amazon-Gebäude in Rheinberg.
Gewerkschafter und Mitarbeiter vor dem Amazon-Gebäude in Rheinberg.
Foto: WAZ FotoPool
Wieder machen unzufriedene Amazon-Mitarbeiter in NRW ihrem Ärger Luft. Die Gewerkschaft Verdi und Angestellte des Internet-Versandhandels fordern einen Betriebsrat in der Rheinberger Niederlassung. Einige Verbesserungen für die Mitarbeiter habe es bereits gegeben.

Rheinberg.. Einen Betriebsrat wollen sie fast alle. Immer wieder wurde am Mittwoch vor dem Amazon-Logistikzentrum an der Alten Landstraße der Wunsch nach einer vernünftigen Arbeitnehmervertretung laut. Kurz vor dem Schichtwechsel lässt Verdi um 14.30 Uhr vor dem Personaleingang den „Blitz“ einschlagen. So nennt die Gewerkschaft den Besuch der Beschäftigen an ihrem Arbeitsplatz.

Zum vierten Mal in diesem Jahr sind die Vertreter vom Bezirk Linker Niederrhein gekommen, um vor allem eines durchzusetzen: den Betriebsrat. Ändern, sagt Gewerkschaftssekretärin Sabine Busch, müsse sich bei dem Versandriesen Vieles. „Ein großes Problem ist die Mehrarbeit. Überstunden und Pflichtsamstage werden häufig erst sehr kurzfristig angekündigt.“

Die Mitarbeiter hätten wenig Zeit, sich darauf einzustellen. Weiter sei der Leistungsdruck enorm. Ständig würde kontrolliert, ob das Soll an Aufträgen auch erfüllt wird, klagt eine Mitarbeiterin. „Wenn wir nicht schnell genug arbeiten, kommt es rasch zu Feedbackgesprächen. Sprich: es hagelt Kritik“, ergänzt eine Kollegin.

„Zu Mehrarbeit Nein zu sagen ist keine gute Idee“

Und: „Zu Mehrarbeit Nein zu sagen ist zumindest bei befristeten Verträgen keine gute Idee“, gibt ein anderer Mitarbeiter zu und spricht damit ein weiteres Thema an, für das das Unternehmen immer wieder in die Kritik gerät: Fristverträge. Doch gerade hier, sagen einige, habe sich das Internetversandhaus inzwischen gebessert. So wurden im Logistikzentrum in Rheinberg Ende Juni diesen Jahres Verträge vieler Mitarbeiter entfristet.

Auch sonst ist der Tenor nicht mehr ganz so kritisch wie noch zu Anfangszeiten der Niederlassung, im letztem Jahr. „Amazon befindet sich hier immer noch im Aufbau“, sagt ein Angestellter. Die Planung sei vor allem am Anfang oft falsch gelaufen. Inzwischen seien einige Probleme aber behoben worden. Die Kritik könne aber auch er zumindest zum Teil nachvollziehen. Vor allem, was die Pflichtarbeit angehe. Auch gebe es noch immer zu viele befristete Arbeitsplätze. Und so äußeren auch verhältnismäßig zufriedene Mitarbeiter wie er ein und den selben Wunsch: „Ein Betriebsrat muss her.“

Bei so viel Zuspruch für eine institutionalisierte Arbeitnehmervertretung tut sich vor allem eine Frage auf: Warum gibt es noch keine? Hierfür nennen Amazon-Mitarbeiter und Verdi vor allem zwei Gründe. „Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, der Gewerkschaft beizutreten. Vor allem Angestellte mit befristeten Verträgen fürchten eine Kündigung“, erklärt Sabine Busch. Weiter erschwere die hohe Fluktuation die Gründung. „Die Mitarbeiter kommen und gehen. Solche, die von Anfang an nur für einige Monate angestellt werden, haben oft keine Muße, sich für einen Betriebsrat zu engagieren“.

Verdi will immer mehr neue Mitglieder gewinnen

Dennoch: Das Verdi-Team ist guten Mutes. Rund 700 Infoblätter brachte es gestern an den Mann. „Immer mehr neue Mitglieder stoßen zu uns, bei dem Tempo können wir noch dieses Jahr eine solide Basis für einen Betriebsrat schaffen.“ Für diesen wolle man noch möglichst viele Mitglieder gewinnen.

Am Sonntag, 9. September, lädt Verdi ab 11 Uhr zur Mitarbeiter-Versammlung ins Hotel van der Valk, Krefelder Straße 169, in Moers ein. Dann soll der nächste Schritt in Richtung Betriebsrat unternommen werden.

 
 

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