Amazon in Rheinberg bekommt Betriebsrat

Foto: WAZ FotoPool / Foto: Marc Albers
Nach anderthalb Jahren Amazon in Rheinberg bekommt das Logistikzentrum hier einen Betriebsrat. Rund 1500 Mitarbeiter kamen zu einer Versammlung, um den Wahlvorstand für die Betriebsratswahl zu wählen. Der erste Schritt ist gemacht. Die Wahl des Betriebsrates selbst dürfte Anfang Mai erfolgen.

Rheinberg.. Natürlich war Sabine Busch klar, dass das Interesse der Amazon-Belegschaft an einem Betriebsrat groß ist. Aber dass rund 1500 Mitarbeiter zu einer Versammlung kommen, um den Wahlvorstand für die Betriebsratswahl zu wählen, das hat die erfahrene Verdi-Gewerkschaftssekretärin dann doch überrascht. Die Arbeit des vergangenen Jahres hat sich gelohnt. Nach anderthalb Jahren Amazon in Rheinberg wird das Logistikzentrum hier einen Betriebsrat bekommen.

Werkleitung kooperativ

Der erste Schritt ist gemacht. Die Wahl des Betriebsrates selbst dürfte Anfang Mai erfolgen. Ohne, dass es bereits konkrete Zahlen gibt, geht Sabine Busch von einem Betriebsrat mit 19 bis 21 Mitgliedern aus. Die Größe des Betriebsrates richtet sich nach der Zahl der Beschäftigten. Bei 21 Mitgliedern könne man von 2500 bis 3000 Mitarbeitern bei Amazon in Rheinberg ausgehen, darunter fallen auch Kollgen mit Zeitarbeitsverträgen. Aber, wie gesagt, konkrete Zahlen gibt es noch nicht, die bekommt erst der Wahlvorstand.

Dieses Gremium bilden sieben Kollegen, 14 standen am Donnerstag zur Wahl. Ort der Betriebsversammlung war Amazon selbst. Bei den Gesprächen habe sich die Werkleitung von Amazon sehr höflich, sehr kooperativ und sehr sachlich verhalten, „da erlebe ich gerade im Logistikbereich sonst ganz andere Dinge“, sagt Sabine Busch. Für die Betriebsversammlung habe Amazon eine Werkhalle leerräumen lassen, Bänke und Mikroanlage hineingestellt.

Der Wahlvorstand muss jetzt die Betriebsratswahl vorbereiten, prüfen, welche Mitarbeiter wahlberechtigt sind, das Wahlausschreiben aushängen, die Kandidatenvorschläge prüfen, Stimmabgabe und Auszählung organisieren.

Zu den Punkten, die ganz oben auf der Agenda des künftigen Betriebsrates stehen, so die Einschätzung von Sabine Busch, gehört eine vernünftige Pausenregelung. Um in die Kantine zu kommen, müssen die Mitarbeiter durch Sicherheitsschleusen. Die Kontrollen sei sehr zeitaufwändig, es dürften keinerlei persönliche Gegenstände mitgenommen werden.

Eine Verdi-Kollegin habe es bei einer Betriebsbesichtigung vor kurzem am eigenen Leib erfahren. Wieder und wieder habe sie durch die Schleuse gehen müssen, bis sich am Ende herausstellte, dass sie ein Kaugummi in Staniolpapier in der Tasche hatte...

Pausenzeiten sind ein Thema

Die Wartezeiten an der Sicherheitsschleuse würden von den Pausenzeiten abgezogen. Dadurch seien die Pausen oftmals so kurz, „dass die Kollegen nicht mehr zum Essen und Trinken kommen“. Gerade in der Hochsaison, wenn die Mitarbeiterzahlen drastisch anstiegen, sei dies ein großes Problem.

Auch die tarifliche Vergütung wird nach Ansicht von Sabine Busch ein Thema für den künftigen Betriebsrat sein. Bislang liegt der Durchschnittstundenlohn bei Amazon in Rheinberg bei zehn Euro. Wer dagegen beim Otto-Versand packt, bekommt 12,28 Euro in der Stunde. Ob die strengen Verhaltenskontrollen bei Amazon mitbestimmungspflichtig sind, sprich, der Betriebsrat ein Wörtchen mitzureden hat, müsse noch geprüft werden. Bis jetzt, sagt Sabine Busch, standen bei all diesen Dingen die betrieblichen Interessen im Vordergrund, nicht die der Mitarbeiter. Hier müsse ein Ausgleich gefunden werden.

Manches habe sich aber auch verbessert in den anderthalb Jahren, seit Amazon in Rheinberg den Betrieb aufgenommen hat. Zum Beispiel die Überstundenregelungen. Die seien früher immer von jetzt auf gleich angeordnet worden, aber der anderen Seite habe man Mitarbeiter auch schon einmal spontan nach Hause geschickt, wenn es keine Arbeit gegeben habe. Hier sei jetzt mehr Ruhe und Ordnung und Organisation eingekehrt.

Der nächste Termin, den sich der Wahlvorstand merken muss, ist der 22. Januar. Da gibt es eine ganztätige Schulung für das Gremium, im Anschluss wird das Wahlausschreiben fertig gemacht und ausgehängt, dann können sich Kandidaten bewerben. Ob es weitere Listen neben der Verdi-Liste geben wird, kann Sabine Busch zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Erfahrungsgemäß sei das aber bei Betrieben dieser Größe durchaus der Fall.

Der neue Betriebsrat wird zwischen 19 und 21 Mitglieder haben. Sind es 21, dann werden fünf davon frei gestellt und können sich ausschließlich um die Belange der Kollegen kümmern.

 
 

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