Als Jesus der Hintern versohlt wurde

Kabarettist Jürgen Becker im Schwarzen Adler in Rheinberg/ Vierbaum. Foto: Gisela Weißkopf/WAZFotoPool
Kabarettist Jürgen Becker im Schwarzen Adler in Rheinberg/ Vierbaum. Foto: Gisela Weißkopf/WAZFotoPool
Foto: Gisela Weißkopf/WAZFotoPool

Rheinberg.. Dass Kunst und Religion eng miteinander verknüpft sind, erklärte im ausverkauften Schwarzen Adler in Vierbaum der Kölner Kabarettist Jürgen Becker sehr einprägsam.

Auf die Frage, wie sich die 30-jährige, immer noch bei Papa und Mama untergekrochene Tochter ihre berufliche Zukunft vorstellt, und dann gesteht, dass sie „irgendwas mit Kunst machen will“, hallt es von den Eltern zurück: „Ach du lieber Gott.“ So einfach ist das halt, Kunst und Religion.

Ein Gang durch die
Kunstgeschichte

So war Beckers humorvoller Gang durch die Kunst- und Kulturgeschichte - wie sollte es beim Gastgeber der WDR-Kabarettsendung „Mitternachtsspitzen“ und früheren Mitwirkenden der Kölner Stunksitzung auch anders sein - gleichzeitig ein Ritt durch die Religion, die er mit feinen Spitzen genüsslich sezierte.

„Ich habe Euch auch ein Bild mitgebracht.“, lächelte der Kabarettist süffisant, enthüllte ein 1926 von Max Ernst geschaffene Gemälde, auf dem Maria dem nackten Jesuskind eine pädagogische Lektion auf das Hinterteil erteilt. „Maria versohlt Jesus den Arsch.“, erklärte er wortgewandt. „Da sehen sie, dass Kunst und Religion eng zusammen hängen.“ Dann ging es Schlag auf Schlag. In einer tollen Videopräsentation brauste Becker auf, eine Pointe jagte die andere, die Lachsalven ließen die Mauern des Adlers beben, durch die Menschheits- und Kunstgeschichte.

Da blieb kein Auge mehr trocken, seine Attacken erschütterten das Zwerchfell des Zuhörers. Dem Bild von Max Ernst, der deswegen damals vom Kölner Erzbischof exkommuniziert wurde, stellte er Richters umstrittenes neues Glasfenster im Kölner Dom entgegen. „Da hat der Kardinal Meißner ein Kirchenfenster bestellt und ein Kneipenfenster bekommen.“, bezog er sich auf dessen Entrüstung über das lichtdurchflutete Fenster. Becker bewies es mit dem Bild einer Kölner Kneipe, aus der das Licht durch ein Fenster fiel. Den Zuschauern gefielen die Parallelen.

„Zimmermanns Jupp sinne Sohn“ war Jesus für den Kölner. Aber auch andere ließ er nicht ungeschoren davon. Wie Guido Westerwelle. „Das war heute ein schöner Tag für ihn. Er war ja nicht der einzige Schwule im Bundestag.“ Westerwelle empfing mit Klaus Wowereit den Papst mit Anhang im Bundestag. So kam zu Kunst und Religion noch die Politik.

Vor nichts machte der Kabarettist Halt. Ein barockes Gemälde, dass über zwanzig nackte Frauen präsentierte? „Betriebsausflug der Hamburg-Mannheimer“, so Becker. Ob berühmte Werke von Rubens, Rembrandt oder prähistorische Pferdedarstellungen („Zossenzeichnung“), alle begutachtete er eloquent. Sein Fazit: „Alles prima Maler sin dat!“ Da hätte das Publikum des Adlers kontern können: „Ein prima Kabarettist is dat!“

Der Künstler ist
der Schöpfer

Beckers Warnung galt der Vernissage. „Der Künstler ist anwesend“, das sei ein Warnhinweis wie der auf der Zigarettenschachtel. Kein falsches Wort, denn schließlich ist der Künstler der Schöpfer. „Man muss ihn anbeten, aber nicht befragen.“ Übrigens: Bei jeder Beerdigung sei die Stimmung besser als bei einer Vernissage.

 
 

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