Alles eine Frage der Übung in Rheinberg

Übung macht den Meister.
Übung macht den Meister.
Foto: Florie
Am Rheinberger Zuff konnten Erwachsene das Fahrradfahren lernen – für viele Migranten ist das Neuland. Radlehrer Volker Vorländer führte sie durch den Parcours.

Rheinberg..  Sorgsam positionierte Volker Vorländer die Übungshütchen für den Radparcours auf dem Gelände des Jugendzentrums Zuff. Der engagierte Radlehrer aus Moers war bereits um kurz vor 9 Uhr gekommen, um die Garage mit den Rädern aufzuschließen und alles vorzubereiten. „Die Hütchen haben einen magnetische Wirkung, da sind schon ein paar von kaputt gegangen“, so der Übungsleiter. „Jetzt können sie die auch umfahren“, schmunzelte er.

Die Volkshochschule hatte zu Volker Vorländer, der für den ADFC seit 2007 in der Region Radkurse gibt, den Kontakt gesucht, ob man so ein Angebot auch mal in Rheinberg verwirklichen könne. „Das ist schon das dritte Mal jetzt“, sagte Elisabeth Keggenhoff von der VHS. „Danke an das Zuff, das uns den Platz und die Garage zur Verfügung stellt.“ Später probierte sie selbst mal das Laufrad aus, auf denen die Teilnehmerinnen ganz zu Beginn des zweiwöchigen Kurses geübt hatten. „Da stellt man einen Fuß aufs Trittbrett, übt darauf erstmal die Balance und die Tretbewegung, damit die Umstellung einfacher wird“, erläuterte Vorländer. Danach ging’s auf´s Rad, wobei dann der Sattel nach und nach höher gestellt wurde. „Das ist jedes Mal eine neue Höhe, eine neue Geometrie des Fahrens“, wurde Vorländer fast philosophisch. „Jeder sollte sich mal überlegen, wie man eine neue Sprache lernt oder am PC ein neues Programm – das geht auch nicht von heute auf morgen.“

Die Neukirchen-Vluynerin Marina Dalinger war eine der beiden Teilnehmerinnen. „Ich hab aus der NRZ erfahren, dass es das gibt“, erzählte die 51-Jährige, die ursprünglich aus Russland kommt. „Ich war immer neidisch auf Fahrradfahrer, konnte es aber es selbst nicht.“ Deshalb musste sie den Kollegen im Diesterweg-Kindergarten immer absagen, wenn es zu gemeinsamen Sommerfahrten ging. Die Umstellung sei ihr zunächst schwer gefallen. „Das sind eben zwei Räder und nicht die eigenen Beine“, lächelte sie verschmitzt. „In der Rechtskurve merke ich, es kippt.“ Es geht um die Sicherheit im Slalom-Parcours. „Linksrum-Kurven sind leichter, ich weiß auch nicht warum“, nahm Vorländer die kleinen Missgeschicke gelassen. Ihr Mann Waldemar verfolgte die Übungen seiner Frau: „Ich gebe meiner Frau Motivation – das ist ähnlich wie beim Lesen. Man schämt sich, wenn man es nicht kann, sagt nichts oder findet dafür Ausreden wie ,Mein Rad ist kaputt’.“

Georgine Kimbakidila, war mit dem Zug von Xanten gekommen. „Im Kongo fahren fast nur Männer Fahrrad – und so hab ich es nie gelernt“, erzählte die 46-Jährige, die seit 16 Jahren in Deutschland lebt. Jetzt wolle sie es endlich lernen. „Die Angst ist das Problem, weil man nicht fallen will.“Es sei keinesfalls ungewöhnlich, dass zwei Frauen aus einem anderen Kulturkreis teilnehmen, so Vorländer . „Es gibt Länder, in denen das Radfahren nicht üblich ist.“ Während die beiden Damen mit dem Rad durch den Parcours fuhren, beobachtete Vorländer gründlich den Bewegungsablauf. „Da sieht man noch, dass der ganze Körper angespannt ist.“ Aber immer wieder motivierte er seine Schüler: „Gut gefahren, klasse.“

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