Alle unter einem Dach

Rheinberg. Jeder kennt solche Momente. Irgendetwas hat einen Tage, Wochen, Monate beschäftigt - und nie war eine Lösung in Sicht. Und dann gibt es einen Moment, in dem einem klar wird: „Mensch, das ist es.“

Bei Udo Otten war das der Fall, als Fußballstar Roque Santa Cruz, der einen Teil des Geländes am Gemeindezentrum Grote Gert gekauft hat, seine Pläne vorstellte. Barrierefreie Mietwohnungen, ins Erdgeschoss kommt die Tagespflege der Grafschafter Diakonie. „In diesem Moment, sagt der Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Rheinberg, „wusste ich, was wir mit dem Gemeindezentrum machen würden“.

Netzwerk für
den Annaberg

Das Profil verändern nämlich. Das Projekt hat derzeit den Arbeitstitel „Haus der Generationen mit Seniorenbegegnungsstätte für Rheinberg und Annaberg“. Hört sich furchtbar sperrig an, ist aber eine spannende Sache, und zwar keine rein evangelische, sondern alle Menschen sind willkommen.

1986 wurde das Gemeindezentrum gebaut. Es stand unter keinem guten Stern: Der erwartete Zuzug blieb aus, der Bau selbst muss schon bei der Abnahme gravierende Mängel gehabt haben, der Architekt war nicht mehr in Regress zu nehmen und nachdem die Gemeinde im Jahr 2000 600 000 Mark in eine Generalsanierung gesteckt hatte, geriet sie finanziell ins Trudeln. Die Suche nach einem möglichen Käufer gestaltete sich mal schwierig, mal abenteuerlich. So erinnert sich Otten noch gut an Verhandlungen mit einem schwerreichen Russen in Mailand. Der wollte nur bar bezahlen, direkt aus dem Koffer. Jeder kann sich denken, was wirklich hinter dem Angebot gesteckt hat. Mit dem Verkauf eines Teils des Areals an den Bayern-Profi Santa Cruz habe die Gemeinde jetzt erst einmal etwas Luft.

Schon jetzt, so Otten, sei das Gemeindezentrum Anlaufstelle für viele. So würden allein über die Krabbelgruppen 70 Familien erreicht. Der CVJM ziehe dort ein, auch die Yogagruppe und die Seniorenkreise. Die Senioren hätten sich ausdrücklich ein Café gewünscht, preiswert und gemütlich, und gerade auch für sonntagsnachmittags, wenn sie ihre Angehörigen auf dem Friedhof besucht hätten. „Da gibt es das Bedürfnis nach Austausch.“ Spontan habe sich eine Gruppe Ehrenamtlicher gefunden, der Cafébetrieb startet am 22. Mai. Die Mütter aus den Krabbelgruppen wünschten sich an einem anderen Tag das Café, auch das klappt und der Eine-Welt-Laden wird dann dort seine Waren anbieten. Im Herbst sollen Schulungen für die Helfer anfangen, die das geplante Demenzcafé betreuen sollen, hier werden übrigens noch Freiwillige gesucht.

Ein Zuhause
finden

Und irgendwann einmal, denkt Otten über den Tag hinaus, soll das Haus zum Zentrum eines Netzwerks für den Annaberg werden. Menschen sollten so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben, medizinisch seien sie versorgt, “wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht vereinsamen“, ist ein Gedanke für die künftige Arbeit. Insgesamt, sagt der Pfarrer, folge die Gemeinde mit dem Haus der Generationen nur ihrem Leitbild: „Wir sind eine lebendige und vielfältige Gemeinschaft, die aus der befreienden Liebe Gottes heraus Jung und Alt miteinander verbindet. Wir schaffen Orte, an denen Menschen ein Zuhause finden und Gottes Nähe erleben.“

 
 

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