Weiterhin Streit im Tierschutzverein Moers

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Moers.  Es ist bitter für die gute Sache. Doch wenn jemand seit Jahren zuverlässig Negativ-Schlagzeilen zu liefern vermag, dann ist es der Tierschutzverein für Moers und Umgebung. Kaum sechs Wochen nach seiner Wahl ist auch der neue Vorstand heillos zerstritten. Diesmal hat der Zoff sogar eine bizarre Seite: Der Vorsitzende Rolf-Peter Paßlack nimmt eine „Auszeit“, kündigt die Aufgabe seines Amtes an und meldet sich jetzt wieder als Chef zurück.

Zur Erinnerung: Schon gegen Ende der langen Amtszeit des Vorsitzenden Bernhard Koscholke kam es häufig zu internen Querelen. Sein Nachfolger wurde 2007 Helmut Schön, der letzte, der die volle Amtszeit von drei Jahren schaffte. Ihm folgten seit 2010 nicht weniger als fünf Vorstände, einer von ihnen war gerade mal zwei Wochen im Amt, ein anderer vom Gericht bestellt. Die Vereinsführung um Rolf-Dieter Paßlack, 2012 gewählt, zerbrach keine zwei Jahre später im Streit um Personalfragen im Tierheim. Auf Paßlacks Rücktritt folgte seine Wiederwahl im letzten März.

Was genau hinter dem Chaos steckt, wie viele Fraktionen es in dem 1300 Mitglieder starken Verein gibt, wo die Fronten verlaufen – all das können selbst Insider nicht mehr nachvollziehen. Sicher ist nur, dass es nach der letzten Vorstandswahl nicht mal vier Wochen bis zum nächsten Knall dauerte. Am 15. April teilte Paßlack seinem Stellvertreter Volker Wichow mit, dass er den Kompetenzstreit mit ihm leid sei und er sein Amt bis zur nächsten Mitgliederversammlung Ende Juni ruhen lasse. Gleichzeitig kündigte Paßlack seinen Rücktritt an: „Zur ordentlichen Mitgliederversammlung stelle ich mein Amt (...) zur Verfügung.“

Sechs Tage später kam die doppelte Rolle rückwärts. In einer E-Mail an den Vorstand teilte Paßlack mit, dass er „mit sofortiger Wirkung“ die Amtsgeschäfte des Vorsitzenden wieder aufnehme. Und Rücktritt? Kein Wort dazu. Die Schuld am Chaos trage sein Stellvertreter Volker Wichow, mit dem sich Paßlack unter anderem über Kompetenzen streitet.

Wichow, seit Jahre als geschickter Öffentlichkeitsarbeiter und Spendensammler für den Tierschutzverein unterwegs, weist die Vorwürfe zurück. Er bezweifelt zudem, dass ein Rücktritt vom Rücktritt möglich ist und hat einen Anwalt für Vereinsrecht mit der Prüfung beauftragt. Sollte Rolf-Dieter Paßlack überdies auf der Mitgliederversammlung nicht zurücktreten, will Wichow dessen Abwahl beantragen. Volker Wichow schüttelt den Kopf: „Wir beschäftigen uns mit uns statt mit den Tieren. Es ist eine Katastrophe.“

 
 

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