Weil wir Europäer sind

Kontrovers: (von links) Karl-Heinz Florenz, Guido Lohmann und Stephan Schmidt
Kontrovers: (von links) Karl-Heinz Florenz, Guido Lohmann und Stephan Schmidt
Foto: Christoph Karl Banski

Neukirchen-Vluyn.  Sind in Brüssel alle faul? Haben die keine Ahnung? Diese Fragen nahm der EU-Abgeordnete Karl-Hein z Florenz am Sonntag auf. Seine Antwort: klares Nein. Dass dieses unbekannte Land „Europa“ für die Menschen hier auch ganz viele gute Seiten hat, sollte die gute Botschaft zum CDU-Neujahrsempfang sein, der nach 16 Jahren erstmals am Klingerhuf stattfand. Neu im Konzept war die Podiumsdiskussion unter Leitung der NRZ. Thema: „Wie viel Europa steckt in unserer Region“. Über 280 Gäste und damit ein volles Haus freute sich der Stadtvorstand.

Als Experten eingeladen waren „bekennende“, aber auch kritische Europäer: Karl-Heinz Florenz, seit 1989 Europaabgeordneter der CDU, Guido Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein, Stephan Schmidt, Geschäftsführer des Fachverbandes der Schloss und Beschlagindustrie und als Moderator Michael Passon, NRZ-Redaktionsleiter.

In einem kurzen Impulsreferat suchte Karl-Heinz Florenz den Grund der Unzufriedenheit mit der Europäischen Gemeinschaft. Brüssel verfasse ja nur Richtlinien und keine Gesetze, die Ausgestaltung obliege den Mitgliedsstaaten. Und dabei Einigungen zwischen „heiß gelaufenen Italienern und eingefrorenen Dänen“ zu finden, sei oftmals schwierig.

Dass die EU nur koste und nichts bringe, wollte Florenz so auch nicht stehen lassen. „Der gesamte Haushalt der EU umfasst 140 Milliarden Euro, der des Landes NRW 100 Milliarden. Wir zahlen weniger Geld für die EU als für Schuldzinsen oder Soli.“

Die aufkommende Diskussion entwickelte sich ebenso kontrovers wie lebhaft und kann daher hier nur angerissen werden.

Volksbankvorstand Guido Lohmann stellte klar, dass Europa für die Menschen am Niederrhein nur als Randthema existiere. „Da ist viel versäumt worden.“ Es fehle das Profil. „Europa hat keinen einheitlichen politischen Willen.“ Viele Probleme seien für ihn auch schlicht „nicht innerhalb des Euro lösbar“.

Stephan Schmidt wusste: „Wir haben sehr viel Europa in uns.“ Zu mehr als 50 Prozent profitiere nicht nur seine Branche vom Export. Und auch in Deutschland würden Vorgaben schlecht umgesetzt, wie etwa der Brandschutz.

Ein Thema, das viele Ängste weckt: Bei der Zuwanderung legten die Experten den Fokus auf Qualifizierung. Ghettobildung - Stichwort: Rheinhausen - müsse unbedingt vermieden werden. Und auch aus den Ländern Bulgarien oder Rumänien gebe es jede Menge qualifizierte Zuwanderer. In diesem Zusammenhang falsch sei es aber, Fehler totzuschweigen: „Denn dann wird es größer, das Problem“, so Guido Lohmann.

 
 

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