Vorzeigeprojekt gestorben

Dietrich Mehnert
Dietrich Mehnert
Foto: NRZ
Die Grafschafter Diakonie plante ein Mehrgenerationenhaus in Meerbeck. Dochdie Geschäftsführung zog die Notbremse ziehen: Die Auflagen machen es zu teuer .

Moers..  Es ist – oder vielmehr war – ein gutes Projekt. An der Galgenbergsheide in Meerbeck sollte ein Mehrgenerationenhaus entstehen: Kita, Tages- und stationäre Pflege, Begegnungsstätte, Physiotherapie und Wohnungen unter einem Dach. Doch daraus wird nichts.

65 000 Euro hatte die Diakonie bereits in die Planung gesteckt und stand kurz vor dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Doch die Geschäftsführer der Diakonie, Dietrich Mehnert und Carsten van der Werth, mussten die Notbremse ziehen: Die 2010 ermittelten Baukosten drohten zu explodieren – statt sechs würde das Projekt nun zehn Millionen Euro verschlingen. Mehnert: „Sechs Millionen hätten wir stemmen können.“

Anja Reutlinger, die in der Gemeinde in Meerbeck aktive Architektin, erläutert die Gründe für diese Kostenexplosion: „2015 wird die Energieeinsparverordnung gelten. Ab dann wird Dreifachverglasung gefordert.“ Wodurch sich die Fenster um 40 Prozent verteuern. Doch es kommt noch schlimmer: „Die Häuser werden immer dichter. Man muss sie künstlich be- und entlüften.“

Meerbeck liegt im Störfallradius

Natürlich – wie sollte es anders sein – werden an Lüftungsanlagen in Kitas und Pflegestationen erhöhte Anforderungen gestellt. Zudem sei noch die neue Trinkwasserverordnung zu berücksichtigen und die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der einst geplanten Bauphase ein so genanntes „Störfallgutachten“ notwendig sein werde. Nun geht es dabei nicht etwa um einen eventuellen Störfall in dem Mehrgenerationenhaus, sondern um einen solchen im Chemiewerk Sasol in Meerbeck. Reutlinger: „Wir sind im Störfallradius.“

Noch weiß niemand, wo man einen geeigneten Gutachter finden könnte und wie ein solches Gutachten auszusehen hat, aber schlimmstenfalls, so die Architektin, könnte der Gutachter zu dem Schluss kommen, dass ein Schutzraum gebaut werden müsse. Bei so viel Unwägbarkeiten musste sich die Diakonie schweren Herzens von ihrem Meerbecker Vorzeigeprojekt verabschieden.

„Es ist bitter.“ Carsten van der Werth sieht den Bedarf nach einem U3-Ausbau der Kita und nach pflegender Versorgung, kann ihn aber bei solchen Anforderungen nicht erfüllen. Dietrich Mehnert erlaubt es sich, ein wenig zu träumen: „Wir wollen uns weiterhin in Meerbeck engagieren – wenn ein Investor hinzu käme, wäre das klasse.“

 
 

EURE FAVORITEN

Känguru-Baby Lizzy verzückt den Zoo Duisburg

Do, 19.07.2018, 13.49 Uhr
Beschreibung anzeigen