Vom Grutbier bis zur Säuferliste

Holger Müller
Dr. Ingrid Misterek-Plagge, Sigrid Nikel-Bronner und Diana Finkele (v.l.) brauen sich was zusammen.
Dr. Ingrid Misterek-Plagge, Sigrid Nikel-Bronner und Diana Finkele (v.l.) brauen sich was zusammen.
Foto: WAZ FotoPool

Moers.  Fragen und Antworten rund um Bierbrauen und Bierkonsum in Moers und am Niederrhein präsentiert das Grafschafter Museum im Moerser Schloss ab Sonntag, 16. Februar, bis Sonntag, 18. Mai, in der Wechselausstellung „Mit gutem und ehrlichem Maß“.

Dass Bier sich als Getränk durchgesetzt hat, verdankt es einer simplen Wahrheit: Schon in alter Zeit war es durch den Gärprozess gesünder und besser genießbar als so manches Brunnenwasser. Sogar die alten Ägypter hatten eine eigene Hieroglyphe für Bier.

Säckeweise Scherben

Im mittelalterlichen Moers beginnt die Geschichte des „Grutbieres“, mit Kräuterzusätzen wie Gagel­strauch und Wacholder, nachweislich im 14. Jahrhundert. Man könnte sogar meinen, der erste Stammtisch am Niederrhein hätte im Moerser Schloss gestanden, gab es doch schließlich eine eigene Schlossbrauerei. Und es wurde auf dem Schloss fleißig konsumiert. Davon kündeten „Säckeweise Scherben von Bierkrügen im Hof“, wie Museumsleiterin Diana Finkele erklärt.

Aber was war später los mit dem Moerser Bier?

Ende des 18. Jahrhunderts befand der Rat nämlich, dass es erbärmlich, sogar „geradezu gesundheitsschädlich“ sei. Trotzdem musste der Moerser Bürgermeister später eine „Säuferliste“ führen, die „Acta Specialia Trunkenbolde“. Wer hier eingetragen war, hatte erstmal ausgetrunken, ob auf Antrag der Ehefrau oder durch Beobachtung aufmerksamer Zeitgenossen.

Die Ausstellung präsentiert neben Repliken der mittelalterlichen Bierkrüge aus dem Schlosshof auch mächtige Kupferkessel, Leihgaben aus Grefrath, die im Schloss aufgebaut wurden. Und wer kennt noch die Moerser Brauereien Gambrinus oder Heimberg – vormals Winters oder Pundt aus Asberg – Tivoli aus Krefeld, später Rhenania?

Es finden sich viele Erinnerungen, Bilder, Anschauungsobjekte. Zahlreiche Stücke aus Sammlungen wie Krüge und Bierdeckel sind zu sehen. Für eine digitale Bilderschau in der Ausstellung werden auch gern noch Fotos von Moerser Gaststätten angenommen.

Als Teil der Ausstellung sind 20 Arbeiten von Schülern des Gymnasiums Rheinkamp zu sehen, die unter Anleitung der Künstlerin Sigrid Nikel-Bronner entstanden. Im Format eines Tryptichons zeigen die Jugendlichen Ängste, Wissen und Umgang zum Thema Alkohol. Die Werke unterscheiden sich stark, je nach soziokulturellem Hintergrund, und skizzieren ebenso den reinen Party-Gedanken wie auch die totale Ablehnung.

Leckere Biersuppe

Die morgige Ausstellungseröffnung wird mit Schlossbräu, Bierliedern und einer nahrhaften, bodenständigen Biersuppe begangen, „dem Kaffee der Vor-Kaffeezeit“, wie Finkele schmunzelnd erklärt. Während der Ausstellungsdauer können diese Genüsse auch in gebuchten Führungen erlebt werden.