Viele Mieter wissen nach Massenkündigung nicht, wo sie hin sollen

Eines der vielen Häuser, in denen den Mietern zu Ende März gekündigt wurde.
Eines der vielen Häuser, in denen den Mietern zu Ende März gekündigt wurde.
Foto: FUNKE Foto Services
Gekündigte Mieter der Nau-Bauten in Neukirchen-Vluyn sind völlig verunsichert. Politik will besser beraten, ihr Handlungsspielraum ist aber begrenzt.

Neukirchen-Vluyn.. Mit welcher Wucht die Massenkündigungen bei den Menschen in den so genannten Nau-Bauten eingeschlagen haben, ist am Donnerstagabend noch einmal spürbar geworden. Rund 70 Mieter der Gebäude rund um den Vluyner Nordring kamen zur Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Seit sie die Kündigungen zum 31. März vom neuen Eigentümer haben, stellen sie sich – und teilweise lautstark auch der Politik und der Verwaltung – vor allem eine Frage: „Wo sollen wir hin?“

Dabei wurde deutlich: Was die Pläne für die Gebäude angeht, ist der Handlungsspielraum begrenzt, weil die Häuser nicht der Stadt gehören, sondern dem Hagener Immobilien-Kaufmann Olbrich. Sehr wohl helfen kann man aber vor Ort den völlig verunsicherten Mietern, von denen viele fürchten, dass sie Ende März auf der Straße stehen.

Denn die Gebäude am Kiefernweg, die Olbrich als Ersatzwohnraum anbieten will, seien unmöglich bis Ende März in einen akzeptablen Zustand zu bringen: „Da sieht’s viel schlimmer aus als dort, wo wir jetzt wohnen“, rief ein Bewohner. Darüber hinaus fragen sich viele, wie sie die Kosten der Umzüge in eine andere Wohnung und später wieder zurück bezahlen sollen. Und überhaupt seien bezahlbare Wohnungen in Neukirchen-Vluyn kaum zu bekommen. Jochen Gottke (SPD) stellte zudem die Frage, weshalb man nicht das leerstehende Haus an der Leibnitzstraße zunächst für die Bewohner der benachbarten Häuser sanieren könne.

Ohne Ersatzangebot müsse niemand seine Wohnung verlassen

Bürgermeister Harald Lenßen forderte mehr als einmal dazu auf, dem neuen Eigentümer wenigstens die Möglichkeit zu geben, seine Pläne zu erläutern und seine Zusagen einzuhalten. Juristisch sei im Übrigen klar, so Kämmerer Jörg Geulmann, dass niemand seine jetzige Wohnung verlassen muss, solange das Ersatzangebot nicht zur Verfügung steht. Nachdem die Gebäude nach jahrelangem Abwärtstrend zum „Problemviertel“ mit teilweise“unzumutbaren Wohnbedingungen“ heruntergekommen seien, bestehe jetzt endlich die Chance, an der Situation grundsätzlich etwas zu ändern, ergänzte Lenßen.

Einig war sich die Politik schließlich darin, dass der Bürgermeister mit Sebastian Olbrich nicht nur über die künftigen Pläne sprechen muss. So soll unter der Federführung des Treff 55 ein Konzept für den Umgang mit den Mietern erarbeitet werden. Geklärt werden muss auch, wer – außer der Arge und dem Sozialamt – für die Umzugskosten aufkommen muss. Schließlich sollen Stadt und Treff 55 sicherstellen, dass die gekündigten Mieter umfassend beraten und unterstützt werden, beispielsweise ihre Rechte kennen lernen.

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