Versteckte Champions in Neukirchen-Vluyn

Harry Seelhoff
Schnelle und präzise Arbeit: Schwing Fluid Technik in Neukirchen-Vluyn
Schnelle und präzise Arbeit: Schwing Fluid Technik in Neukirchen-Vluyn
Foto: Funke Foto Services
  • Im Gewerbepark Nord sind zwei weltweit tätige Unternehmen beheimatet
  • Die Schwing Fluid Technik GmbH ist Weltmarktführer in der thermischen Reinigung vom Metall
  • Die Viscon GmbH baut virtuelle Räume für Flughäfen und die Automobilindustrie

Neukirchen-Vluyn.  Man pflegt solche Unternehmen „Hidden Champions“ zu nennen – Marktführer in ihrem Bereich, der Allgemeinheit jedoch kaum oder gar nicht bekannt. Es sind High-Tech-Unternehmen, die in ihrer Branche jeder kennt, wie Schwing Fluid Technik GmbH oder die Viscon GmbH, die beide für die Automobilindustrie arbeiten und die rein zufällig beide im Gewerbepark Nord beheimatet sind.

Schwing Fluid Technik an der Oderstraße ist ein Dienstleister und Weltmarktführer bei der thermischen Reinigung von Metallteilen und Werkzeugen für die Kunststoff- und Faserindustrie. Dort wird in zwei Schichten an sieben Tagen in der Woche gearbeitet, die Mitarbeiter erhalten eine Erfolgsbeteiligung. Zudem will die Firma expandieren. Für die Automobilindustrie ist die Firma aus Neukirchen-Vluyn ein wichtiger Partner.

Es kommt auf jede Stunde an

Es kommt schon einmal vor, dass VW hoch bezahlte Mitarbeiter mit einen Hubschrauber an den Niederrhein fliegen lässt zu dem einzigen Zweck, sich vor Ort davon zu überzeugen, dass die mit einem Expresskurier zur thermischen Reinigung angelieferten Teile so schnell wie irgend möglich gereinigt werden. Denn steht bei einem Automobilhersteller oder einem seiner Zulieferer beispielsweise wegen verstopfter Düsen eines einzigen Apparates eine Produktionsstraße still, so ist der finanzielle Schaden enorm; es kommt auf Stunden an.

Ebenfalls für die Automobilindustrie arbeitet die gerade einmal 500 Meter entfernte Viscon GmbH an der Hochstraße. Das Team um Eric M. Küpper ist spezialisiert auf VR, auf Virtual Reality, was Küpper augenzwinkernd als das „Holodeck der Enterprise“ beschreibt. Doch ist seine Arbeit alles andere als Science Fiction: In 3D-Caves, das sind Räume, in denen sich dreidimensionale Bilder erzeugen lassen, können Automobilingenieure die am Computer entwickelten Modelle in dreidimensionaler Darstellung von allen Seiten betrachten, Farben und Details ändern.

Doch nicht nur die Automobilindustrie ist Kunde bei Viscon: Die Flughäfen, die in 3D-Räumen ihre Fluglotsen schulen, setzen ebenso wie der Flugzeughersteller Airbus auf das Know-How aus Neukirchen-Vluyn. In der virtuellen Kabine eines Airbus kann man umherspazieren und jederzeit alles ändern, vom Sitzabstand bis zur Farbe des Teppichbodens. Die Konstruktion der virtuellen Kabine geht über drei Stockwerke und ist über neun Meter hoch – gebaut bei der Schreinerei Knoor in Saelhuysen.

Ein neues Patent

Ein weiterer versteckter Champion wohnt in Neukirchen-Vluyn auf dem Hof Groß Opholt: Hendrik Häuser ist der Chef der Häuser & Co. GmbH. Das Unternehmen mit Sitz auf dem Gelände des Duisburger Stahlunternehmens ArcelorMittal ist Spezialist für Plasmaspritzverfahren zum Oberflächenschutz. Im Jahr 2015 ließ sich Häuser & Co ein Laserspritzverfahren patentieren, mit dem nicht schweißfähige Werkstoffe verbunden werden können. Welche Qualifikation Hendrik Häusers Firma besitzt, zeigt der Teilchenbeschleuniger der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) – von innen mit Kupfer beschichtet von Häuser & Co.