Und Kuttel Daddeldu lebt doch noch ...

Hörstationen erinnerten in der Kamp-Lintforter Stadtbücherei an die Bücherverbrennungen im Nationalsozialismus. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool
Hörstationen erinnerten in der Kamp-Lintforter Stadtbücherei an die Bücherverbrennungen im Nationalsozialismus. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Kamp-Lintfort.. In der Kamp-Lintforter Bücherei erinnerten LesART und Kirchenkreis mit Hörstationen an den Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis.

Stimmengemurmel ist aus den Gängen zwischen den Bücherregalen zu hören, in der Mitte der Kamp-Lintforter Stadtbücherei steht eine Feuerschale, in der Bücher liegen. Am gestrigen 10. Mai jährte sich die Bücherverbrennung der Nazis von 1933 zum 78. Mal. Brecht, Kästner, Tucholsky - die Liste derer, deren Werke damals in Flammen aufgingen, ist gespenstisch lang. Mit einer spannenden Hör-Buch-Installation erinnerten der Verein LesART und das Neue evangelische Forum Kirchenkreis Moers in Zusammenarbeit mit dem Religionskurs der Realschule am Dienstag in der Bücherei an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

Kein Kästner,
kein Ringelnatz

Kein „Fabian“, kein „Kuttel Daddeldu“ - was wäre gewesen, wenn? Büchereileiterin Katharina Gebauer hat es allein bei der Fülle der Bücher aus ihrem Bestand einen Schauer über den Rücken gejagt. An fünf Stationen, verteilt über die gesamte Fläche, waren Auszüge aus Werken von Kästner, Ringelnatz, Tucholsky, Lasker-Schüler und Remarque zu hören - ebenso wie ein O-Ton aus der Goebbels-Rede vom Berliner Opernplatz. Um die Stationen herum hatten Büchereimitarbeiter Bücher drapiert und Informationsplakate gehängt, die die Realschüler unter der Leitung ihrer Lehrerin Marina Zacharias erstellt hatten.

Bei den Besuchern stieß die Installation auf reges Interesse. „Der auch?“ war am Mittwoch eine der oft geäußerten Besucher-Reaktionen. Nicht allein Inhalte, auch die Tatsache, jüdischen Glaubens zu sein, reichte aus, um sich auf der „Schwarzen Liste“ wiederzufinden.

Satirisches und
Liebesgedichte

So hatten die Schüler auch Brecht’s Gedicht „Verbrennt mich“ abgedruckt. In diesem würdigt Brecht seinen Schriftstellerkollegen Oskar Maria Graf, der sich - obwohl Gegner Hitlers - zu seinem großen Entsetzen auf der sogenannten „Weißen Liste“ wiederfand und dagegen mit einem Artikel unter der Schlagzeile „Verbrennt mich!“ zur Wehr setzte. Zu lesen außerdem: einige Feuersprüche, mit denen die Bücher bestimmter Autoren in die Flammen geworfen wurden.

Zu hören waren Ringelnatz’sche Verdrehereien, Satirisches von Kurt Tucholsky oder Liebesgedichte von Else Lasker-Schüler leider nur am Dienstag - Infoplakate und Buchauswahl sind weiterhin zu sehen.

 
 

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