Ulle Schauws besuchte „Flucht AG“ am Adolfinum

Ulle Schauws (re) besuchte die AG Flucht am Gymnasium Adolfinum. Abiturientin Hannah Oppenberg (2. vl.) leitet den Sprachkurs in der Kleingruppe.
Ulle Schauws (re) besuchte die AG Flucht am Gymnasium Adolfinum. Abiturientin Hannah Oppenberg (2. vl.) leitet den Sprachkurs in der Kleingruppe.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
Grünen-Politikerin hörte sich die Schicksale von Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak an und lobte Schüler-Engagement.

Moers.  „Neun Monate sind sehr lange. Zu lange“, findet Ulle Schauws. Die Politikerin und Mitglied des Bundestages aus den Wahlkreisen Krefeld und Wesel besuchte am Dienstag Nachmittag die Flucht AG am Adolfinum Gymnasium. Die anwesenden Kursteilnehmer stellten sich vor: Da ist Ahmad aus Syrien. Er ist 23 Jahre alt, hat Orientalistik und Religion studiert. Drei Mal hat er nach einem Integrationskurs gefragt, er will einen Master-Abschluss machen, braucht dafür Sprachlevel C1. Seit neun Monaten wartet er jedoch darauf, erst einmal seinen Asylantrag stellen zu dürfen.

Auch Ali (25) wartet so lange. Er kommt aus dem Irak und auch er hofft endlich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vorsprechen zu können, um zu erfahren, ob er bleiben kann oder nicht. „Falls nicht, muss ich gehen. Wenn ich aber bleibe, will ich endlich arbeiten, Steuern zahlen“, sagt der begeisterte Judoka. Er trainiert in einem Verein, das ist eine gute Beschäftigung, wenn man so lange warten muss.

Ulle Schauws weiß, dass das Amt mit der Bearbeitung kaum nach kommt: „Es sind zu wenig Menschen, die im BAMF arbeiten. Es wird zwar nachbesetzt, aber es dauert, bis die Mitarbeiter eingearbeitet sind“, erklärt sie und fügt hinzu, dass das Engagement in Moers besonders groß sei. Es herrsche Willkommenskultur, die Flucht AG sei ein tolles Projekt. Ein schwacher Trost für die jungen Männer. „Ich bin betrübt, dass es von behördlicher Seite so langsam geht“, sagt Schauws und hört weiter kopfschüttelnd die Geschichten der Iraker, Afghanen und Syrer an. Viele sind nur registriert, warten darauf, vorsprechen zu können, einen Asylantrag zu stellen und einen Bescheid zu bekommen.

Auch für Saed aus Afghanistan ist die Zukunft ungewiss: In Kabul hat er Jura studiert. Seit einem Jahr wohnt er in einem Heim in Rheinberg. Er will sich nicht beschweren, aber wie alle freiwilligen Teilnehmer des Kurses am Adolfinum zermürbt das Warten ihn.

Es sind ausschließlich Männer, die sich freiwillig von jungen Abiturientinnen unterrichten lassen. Es geht um viel mehr als Sprache: Selbstbestimmung hier und anderswo. Freizeitgestaltung. Lebenswirklichkeiten. Sina und Hannah haben ihr Abitur bereits in der Tasche. Dienstags nachmittags gehen sie Deklinationstabellen durch und bieten das ehrenamtlich an, was Ali, Saed, Mahmud gerne offiziell belegen würden: Einen Integrations- und Sprachkurs. Ulle Schauws schätzt das Engagement der Adolfiner sehr und will sich gerne weiter für Flüchtlinge einsetzen, dabei verspricht sie aber keine Hilfe an Einzelne. Es müssten schnellere Lösungen für alle her. Als Ausnahme nennt sie jedoch Homosexuelle oder Transgender, die auch in Deutschland besonders schwierigen Situationen ausgesetzt seien.

 
 

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