Turbo-Abi: Das sagen Schüler

Redakteurin Karen Kliem im Gespräch mit der Lehrein Anke Domrose (3v.l.) und Schülern über das Turbo Abi.  Foto:Gisela Weißkopf
Redakteurin Karen Kliem im Gespräch mit der Lehrein Anke Domrose (3v.l.) und Schülern über das Turbo Abi. Foto:Gisela Weißkopf
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Turbo-Abitur nach zwölf Jahren Schule oder lieber gemütlich in 13 Jahren? Beide Varianten treffen in diesem Schuljahr in einer Doppeljahrgangsstufe 11 aufeinander.

Der erste Jahrgang mit der verkürzten Schulzeit, auch G 8 genannt, überspringt praktisch die zehnte Klasse. Wer hat es besser? Wir fragten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in den Filder Benden nach ihren ersten Erfahrungen.

Unterm Strich sind die Pennäler mit beiden Varianten zufrieden. Die G 8-er, weil für sie der Stress bis zum Abi ein Jahr kürzer ist. Die G 9-er, weil sie das Turbo-Abi für „sinnfrei“ halten und glauben, dass es ein Glück war, noch 13 Jahren brauchen zu dürfen. So berichtet Kathrin Sadus aus den Gesprächen in der SV. Und alle freuen sich, dass bei einem Doppeljahrgang wie diesem mehr unterschiedliche Leistungskurse zustande kommen.

Es geht nicht ein Jahr
schneller in den Beruf

Ein bemerkenswertes Ergebnis: Zumindest diese Turbo-Abiturienten verweigern sich dem eigentlichen Ziel, nämlich schneller in Beruf oder Studium einzusteigen. Kathrin Sadus will nach dem Abi ein Jahr nach Amerika: „Während der verkürzten Schulzeit habe ich mich nicht getraut, ins Ausland zu gehen. Da hatte ich Angst, es passt nicht.“ Sie ist nicht die einzige, die so entschieden hat.

Lena Geldermann will das gewonnene Jahr dazu nutzen, sich ausführlicher und in Ruhe nach dem geeigneten Beruf für sie umzusehen. Zumal die Jobsuche bei einem Doppeljahrgang, der auf den Arbeitsmarkt stürmt, nicht leichter werde. Jonas Pflug, G 9-er, sieht in dem Zusammenhang die Abschaffung der Kopfnoten kritisch: „Die konnten ein Türöffner sein.“ Dass sie sich nicht hat überlegen können, ob sie ein Jahr schneller lernen will, findet Lena Geldermann nicht richtig: „Als ich in der Grundschule entscheiden musste, wie es weitergeht, war G 8 kein Thema. Sonst wäre für manchen die Gesamtschule eine Alternative gewesen.“ Frederik Blang sieht trotz Turbo-Abi für sich kein gewonnenes Jahr. „Ich bin spät eingeschult worden und mache ganz normal Abi.“

Stressiger sei der Weg bis zur 11. Klasse für sie schon gewesen, finden die drei angehenden Schnell-Abiturienten. Viele Hausaufgaben und längere Schultage als bei den G 9-ern haben sie hingeführt. „Womöglich, weil die Lehrer anfangs auch nicht wussten, wie das gehen soll. Vielleicht sind sie bei den kommenden Jahrgängen entspannter“, vermutet Kathrin Sadus.

Was den Wissensstand angeht, so sehen die G 8-er durchaus Unterschiede zu den G 9-ern. Bei den Naturwissenschaften mache er sich bemerkbar. „Wenn die Jüngeren in Physik bei Sinussätzen nicht wissen wovon wir sprechen, wird das nachgeholt“, sagt Heike Geldermann, die nun mit ihrer jüngeren Schwester plötzlich die gleiche Jahrgangsstufe besucht.

In den Hauptfächern wird noch getrennt unterrichtet. Auch bei den Sprachen sei ein Jahr weniger Praxis auffallend. Aber alle halten die Probleme für lösbar. Unpraktisch finden die G 8-er, dass sie die „mittlere Reife“ jetzt erst mit dem Ende der 11 erreichen.

Und das Zwischenmenschliche bei einer Altersspanne von 15 bis 19 Jahren? „Die G 9-er sind total nett und nur selten überheblich“, sagt Lena Geldermann.

 
 

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