Tierfreunde in Kamp-Lintfort stehen unter Beschuss

Harry Seelhoff
Das Tierheim am Drehmannshof 2.
Das Tierheim am Drehmannshof 2.
Foto: Ulla Michels
Tierschutz als munter sprudelnde Einkommensquelle – der „Bund Deutscher Tierfreunde e.V.“ mit Sitz am Drehmannshof muss sich die Frage gefallen lassen, ob er dies praktiziert hat. Denn der Ex-Vorsitzende Sigurd Tenbieg wurde verhaftet, gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kleve .

Kamp-Lintfort.  Das „e.V.“ hinter dem Namen gilt vielfach als Garant für eine gewisse Seriosität. Kommt zudem das Vereinsziel Tierschutz hinzu, fließen die Spendengelder reichlich. Doch unter dem Deckmäntelchen des Tierschutzes tummeln sich bundesweit Organisationen, deren Hintermänner den Tierschutz als munter sprudelnde Einkommensquelle entdeckt haben. Der „Bund Deutscher Tierfreunde e.V.“ mit Sitz am Drehmannshof muss sich die Frage gefallen lassen, ob er dazu gehört, nachdem der Ex-Vorsitzende Sigurd Tenbieg verhaftet wurde und gegen ihn ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kleve läuft. Zudem steht der Verein auf einer schwarzen Liste der Ordnungsbehörden in Rheinland-Pfalz, darf dort keine Spenden mehr sammeln.

Verhaftet wurde Sigurd Tenbieg bereits im Juli letzten Jahres in Frankreich. Die Frage, ob gegen weitere Vorstandsmitglieder des Vereins ermittelt werde, verneinte die heutige Vorsitzende Martina Klein. Was den Betrieb der Tierherberge angeht, so vermag Martin Notthoff, Beigeordneter der Stadt Kamp-Lintfort, nichts Negatives zu vermelden; die Versorgung der Tiere sei ohne Beanstandung.

Im Raum steht der Vorwurf des Sozialversicherungsbetrugs

Ob dies auch für das Geschäftsgebaren des „Bund deutscher Tierfreunde“ gilt, muss sich erst noch zeigen. Aufklärungsbedarf besteht auf jeden Fall. Denn es geht um Millionen. Nicht nur, dass Tenbieg verdächtigt wird, als Vorsitzender mehrerer Tierschutzvereine 640 000 Euro Sozialversicherungsbeiträge unterschlagen zu haben – das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz sah auch „greifbare Anhaltspunkte für eine zweckwidrige Verwendung des Sammlungsertrages in der Kostenstruktur des Vereins“, wie die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Rheinland-Pfalz in einer Pressemitteilung bekannt machte. Zwar datiert die Mitteilung der ADD aus dem Dezember 2010, aber es geht dabei um immerhin 2,7 Millionen Euro, die der Kamp-Lintforter Verein allein in 2007 sammelte. Mehr als ein Drittel dieser enormen Summe flossen in die Taschen einer Marketing-Agentur, „die maßgeblich von früheren (Gründungs-) Mitgliedern des Vereins getragen wurde“.

Der Tierschutz ein Selbstbedienungsladen? Das „Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen“ (DZI) vergibt nach genauer Prüfung das Spendensiegel an gemeinnützige Organisationen.

Keine Transparenz im Sinne der Spender

„Die DZI-Spenderberatung hat sich mehrfach bemüht, zuletzt im Juli 2012, von den Verantwortlichen der Organisation im Sinne der Transparenz gegenüber dem Spender konkrete aussagekräftige Informationen über ihre Arbeit zu erhalten. Dem Auskunftsersuchen hat die Organisation aber nicht entsprochen“, so das DZI auf seiner Homepage über den „Bund Deutscher Tierfreunde“. Eine Förderung dieses Vereins könne man daher nicht empfehlen.

Alles alte Kamellen? Der „Bund Deutscher Tierfreunde“ verteilt, so die Vorsitzende Martina Klein, eingenommene Spenden auch an andere Vereine. Hier kann nur die völlige Transparenz aller Geldströme und Verwendungsnachweise helfen, sollen die Spender das Vertrauen in den Tierschutz behalten.