Spielend zurück ins Mittelalter

Moers.. Zum fünften Mal feierten Museum und Theater gestern gemeinsam den Tag des offenen Denkmals rund um das Schloss. Trotz des Regens waren jede Menge Besucher gekommen.

Er trug eine Lederschürze und eine Schutzbrille. Ganz vorsichtig schlug der Achtjährige mit dem Hammer auf das glühende Eisen. „Du musst so hauen“, erklärte ihm der Schmied und half ein wenig nach, den Metallstab zu einer Schnecke zu drehen.

Am Sonntag hatten das Grafschafter Museum und das Schlosstheater zum fünften Mal zum Schlossfest anlässlich des Tags des offenen Denkmals eingeladen. Das Motto lautete „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“.

Trotz strömenden Regens hatten sich viele Interessierte auf dem Platz an der Henriette und rund um das Schloss eingefunden. Neben den museumspädagogischen Aktionen in der mittelalterlichen Spiel- und Lernstadt im Grafschafter Musenhof hatten die Kinder die Möglichkeit, sich in alten Handwerkskünsten wie Klöppeln, Brettchenweben oder Drehen auszuprobieren. Besonders lang war die Warteschlange der Jungen und Mädchen aber am Stand des Schmieds, bei dem das Kohlenfeuer sogar noch durch einen fußbetriebenen Blasebalg angeheizt wurde.

200 Arbeitsstunden
für ein Kettenhemd

Kettenhauben nach historischen Vorbildern gab es am Stand von Achim Schröder zu bestaunen. „Anderthalb bis vier Kilo wiegen die, je nach Drahtdichte“, erklärte Schröder den neugierigen Gästen. Und die durften die Hauben sogar selbst ausprobieren. „Boah, ist die kalt und hässlich“ befand einer der Tester. Für sein erstes richtiges Kettenhemd habe er noch 200 Arbeitsstunden gebraucht, jetzt schaffe er es in nur 120 Stunden, so Schröder.

„Wir laufen heute 2300 Kilometer bis nach Santiago de Compostela“, scherzte Thomas Nolte, der interessierte Schlossfestbesucher mit auf eine Führung auf den Moerser Jakobsweg nahm. „Da waren wir schon, aber da ist das Wetter jetzt bestimmt besser“, konterte prompt einer der Gäste.

Spannend wurde es auch bei der Führung in den Bauch der alten Burg im neuen Teil des Museums, die von Museumsleiterin Diana Finkele geleitet wurde. Hier hatten die Bürger die Gelegenheit, sich ein Bild vom aktuellen Stand der archäologischen Ausgrabungen unter dem Schloss zu machen.

„Um das Jahr 1200 fing der Bau hier an“, erklärte Finkele. „Zuerst wurde nur ein einzelner Turm errichtet. Dazu verwendeten die damaligen Bauherren Abbruchgestein aus dem Römerlager Asciburgium.“ Durch zahlreiche An- und Umbauten war das Schloss unter der letzten Gräfin im späten Mittelalter auf 50 Kammern und Zimmer gewachsen.

Zahlreiche weitere Führungen, Vorträge und Aktionen an den Ständen sorgten für ein kurzweiliges Fest.

 
 

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