Spagat zwischen Staat und privat

Mehr Zuhörer denn je lauschten der Diskussion bei der Jahreshauptversammlung des Vereins Klartext für Kinder im Bollwerk
Mehr Zuhörer denn je lauschten der Diskussion bei der Jahreshauptversammlung des Vereins Klartext für Kinder im Bollwerk
Foto: WAZ FotoPool

Kamp-Lintfort..  Wenn es diesen Verein nicht gäbe, nicht derzeit geben müsste, wäre alles gut. Aber es gibt ihn eben, und das nicht ohne Grund. Der Verein „Klartext für Kinder – aktiv gegen Kinderarmut“ springt da ein, wo der Staat nicht hilft. Ob er es nicht kann, sei einmal dahingestellt. Genau diese Unterstützung stand im Fokus der Jahreshauptversammlung von Klartext.

Der Spagat zwischen der staatlichen Verantwortung, zum Beispiel durch vernünftige Regelsätze zur Grundsicherung des Lebens, und dem Sinn oder Unsinn freiwilliger Initiativen wie Klartext: Er wurde viel diskutiert an diesem Abend im Bollwerk. Bei einer anderen Infrastruktur wären Initiativen überflüssig, ein Engagement wie die Essensausgabe an Schulkinder in den Bussen der Kindertafel unnötig, wenn es in den Schulen kostenlos vernünftiges Essen gäbe.

Die Bedeutung der Kindertafel jetzt war aber unumstritten. Dort gibt es neben Essen auch Zuwendung und Zeit, um reden zu können. Volksbank-Chef Guido Lohmann: „Die Kindertafel ist hervorragend. Ich wünsche mir dennoch Politiker mit Hintern in der Hose, die dieses Problem angehen“ – das Problem der ungenügenden finanziellen Ausstattung, damit freiwillige Initiativen überflüssig werden.

Falls überhaupt jemand im Saal die Befürchtung gehabt haben könnte, dass diese staatliche Alimentation eine Einladung zum Nichtstun und Zurücklehnen ist: Nebiye Celik trat als Gegenbeispiel auf. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern hat sich dank einer Beschäftigung in die Lage versetzt, finanzielle Hilfe nicht mehr zu brauchen, will sie nicht mehr und glaubt auch, nicht mehr das Recht dazu zu haben.

Aber die Bedürftigkeit gerade in dieser Gruppe nimmt zu. Ulrich Ernenputsch von der Antragskommission berichtete den mehr als 130 Gästen (ein neuer Zuhörerrekord, den Klartext-Vorsitzender Hans-Dieter Wichert als „überwältigend“ bezeichnete) von immer mehr Anträgen alleinerziehender Mütter. Und Christoph Müllmann, Sozialdezernent in Kamp-Lintfort, stellte das dort ins Leben gerufene Netzwerk gegen Kinderarmut vor. Natürlich gab es auch Zahlen. 233 Mitglieder hatte der Verein Ende 2102. In diesem Jahr gab es 120 580 Euro an Spenden und Beiträgen, von denen 119 690 Euro wieder ausgegeben wurden.

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