Schlosstheater Moers beschäftigt sich mit Radikalismus

Fabelhafte Familie Baader (hier mit  Marissa Möller und Matthias Heße) wird auch in der kommenden Spielzeit weiter gezeigt.
Fabelhafte Familie Baader (hier mit Marissa Möller und Matthias Heße) wird auch in der kommenden Spielzeit weiter gezeigt.
Foto: Helmut Berns
Das Programm der kommenden Spielzeit im Moerser Schlosstheater steht unter dem Titel „Freie Radikale“

Moers..  Das Programmheft für die kommende Spielzeit am Schlosstheater ist schon mal ein Hingucker: Unter dem Titel „Freie Radikale“ leuchtet eine quietschorange umhäkelte Klorolle. Auch drinnen umgarnt uns Elisabeth Strauß allerlei mehr oder weniger hässliche und furchterregende Dinge mit lieblichen Farben: Zahnarztbohrer, Überwachungskamera, eine Spritze, eine Axt, eine Spinne, auch eine Burka und ein Damenpump. Extremismus und Radikalismus wird das Schlosstheater in fünf Inszenierungen thematisieren.

Da schlug die Stunde von Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Endlich, denn „das Stück hatten wir immer wieder mal im Blick“, sagt Intendant Ulrich Greb, der das Stück selbst einrichten wird und dabei mit Masken und Puppen arbeiten wird. Wer sind denn nun die Brandstifter? „Man kann es doppelt lesen und alle Pegida-Ängste hineinprojizieren“, ist Greb sicher.

Ein anderes Extrem bedient Simon Stephens „Pornographie“. Catherine Umdenbrock, die schon in der Kapelle „Im Ausnahmezustand“ gezeigt hat, inszeniert das Stück mit dem anstößigen Titel, in dem es um persönliche Grenzüberschreitungen geht und unter dem Eindruck des Terroranschlags in London 2005 entstanden ist. Aber ob es überhaupt nackte Haut zu sehen gibt — Schulterzucken bei Dramaturgin Annika Stadler. Das Kinderstück, das Patrick Dollas und Katja Stockhausen erarbeiten, ist „Alice im Wunderland“. „Absurde, und witzige Momente sind da vorprogrammiert, spätestens beim Fall ins Kaninchenloch“, verrät Annika Stadler. Ein Klassiker pro Spielzeit muss sein: Richard III. ist es diesmal. Shakespeares Stück über das Streben nach Macht und Machterhaltung ist ein blutrünstiges, denn am Ende sind alle tot. Und noch mal Schulstoff: Büchners „Leonce und Lena“ steht ab April auf dem Spielplan in der Inszenierung von Björn Gabriel. Zu sehen ist eine bitterböse Karikatur der Gesellschaft, die harmlos in Komödienstruktur daherkommt.

Die Nebenreihen des Schlosstheaters werden in der kommenden Spielzeit musikalisch: Frequenzen I bis IV heißt das eine Format im Peschkenhaus, bei dem die zeitgenössischen Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim auf literarische Texte treffen. Gäbler hat seinerzeit das Abschlusskonzert der IBA Emscherpark gestaltet, mit einer Komposition für zwei Hubschrauber und zwei Doppeldecker.

„The Rest is Noise“ heißt es im Rahmen der Ruhrtriennale, die auch in Moers Station macht. Weil bei dieser Lesereihe auch Mitglieder der Bochumer Symphoniker beteiligt sind, kann sich Ulrich Greb auch die Einbindung des Moerser Improviser in Residence vorstellen. Wiederaufnahmen: Sprung in der Platte, Amphitryon, 1984, Michael Kohlhaas und Fabelhafte Familie Baader.

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