Reise in die andere Welt

Bei der Vernissage werden mit Andrea Dieren die Musiker Markus Emanuel Zaja (li) und Ralf Kaupenjohann (re) dabei sein.
Bei der Vernissage werden mit Andrea Dieren die Musiker Markus Emanuel Zaja (li) und Ralf Kaupenjohann (re) dabei sein.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
„Seine Hände“: Die Fotoausstellung von Andrea Dieren in der Dorfkirche Repelen thematisiert Demenz.

Moers..  Hände auf dem Rücken verschränkt, Hände neben Gabel, Messer und Löffel auf einem Tisch, Hände, die in den Falten einer Decke verschwinden: Hände, die die Geschichte eines langsamen Abschieds und einer unaufhaltsamen Reise in eine andere Welt erzählen. Die Moerser Künstlerin Andrea Dieren hat ihren an Demenz erkrankten Vater zwei Jahre lang bis zu seinem Tod mit der Kamera begleitet. „Seine Hände“ heißt ihre beeindruckende Fotoausstellung, die heute in der Dorfkirche Repelen eröffnet wird.

Über 500 Fotos hat Dieren in diesen beiden Jahren gemacht. Analog mit einer Mittelformatkamera fotografiert, wie immer schwarz-weiß. „Ich habe jedes Bild komponiert, immer nur mit dem Licht gearbeitet, was da war“, sagt Dieren, die in der Dunkelkammer nie Ausschnittvergrößerungen macht. Da halte sie es wie der von ihr hoch geschätzte Meisterfotograf Henri Cartier-Bresson, der sinngemäß gesagt habe: Wer in der Dunkelkammer den Ausschnitt wählen muss, war nicht nahe genug dran.

Kamera war das Bindeglied

Nah dran war Andrea Dieren tatsächlich bei jedem Bild, dennoch sind ihre Fotografien mitnichten voyeuristisch oder zu intim. „Ich wollte nicht meinen Vater zeigen, sondern seinen Weg.“ Die Welt dementer Menschen sei eine Welt, zu der es eigentlich keine Verbindung gebe. „Unser Bindeglied war die Kamera. Als ich sieben Jahre alt war, hat er mir erklärt, wie eine Kamera funktioniert. Seitdem fotografiere ich.“ Aus ihren Tagebuchaufzeichnungen in diesen zwei Jahren und ihren Fotos hat sie in der Dorfkirche eine Installation aus „Erinnerungskästen“ aufgebaut.

Konrad Göke, der in der Repelener Dorfkirche für das Kulturprogramm verantwortlich zeichnet, hatte eines ihrer Fotos bei einem Atelierbesuch entdeckt und war spontan fasziniert: „Hände haben für uns Christen eine ganz besondere Bedeutung. Sie sind für mich so etwas wie der Fingerabdruck der Seele. Berührungen mit der Hand bleiben oft ganz lange im Gedächtnis haften.“

Für die heutige Vernissage, 19 Uhr, hat sich Andrea Dieren zwei besondere Musiker eingeladen: Akkordeonist Ralf Kaupenjohann, in Moers unter anderem durch Schlosstheater-Projekte bekannt, und Klarinettist Emanuel Zaja.

 

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