Pilotprojekt in Moers bringt Flüchtlinge in Ausbildung

Das Moerser Projekt finanziert sich durch Mittel aus dem europäischen Sozialfonds. Die Lehrlinge erhalten auch einen berufsbezogenen Sprachkurs.

Moers.. Eine überzeugende Idee: Statt arbeitswillige und wissbegierige Flüchtlinge perspektivlos in den Tag hineinleben zu lassen, gibt man ihnen eine gute Ausbildung und Arbeit. So kamen die ersten Asylsuchenden letzten Herbst in eine Qualifizierung, die aber im Dezember endete. Doch als sich wenig später die richtigen Leute an einen Tisch setzten, wurde daraus tatsächlich noch ein Pilotprojekt.

Mit guter Nachricht in Form eines Förderbescheids kam jetzt Staatssekretär Thorsten Klute vom Düsseldorfer Ministerium ins Haus des Bunten Tisches an der Kornstraße: 15 Flüchtlinge bekommen jetzt die Chance, eine Ausbildung zu absolvieren und ihre Zukunft zu gestalten. Das Geld dafür komme aus dem europäischen Sozialfond, wie Klute anmerkte.

Möglichkeiten erkannt

Einer, der die Möglichkeiten, die in der Ausbildung von Flüchtlingen liegen, längst erkannt hat, ist Dr. Frank Bruxmeier von der Kreishandwerkerschaft Duisburg. Sie macht die Flüchtlinge in ihrer Werkstatt fit für den Start in eine Berufsausbildung. „Die Flüchtlinge kommen aus Moers und Umgebung. Sie sind so hoch motiviert, wie wir es kaum je erlebt haben“, schildert er die Erfahrungen vom letzten Jahr. Besonders wichtig: Die Flüchtlinge, zumeist Afrikaner, bekommen auch einen „berufsbezogenen Sprachkurs“.

Ziel des Projektes ist die Ausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär/Heizung. Wenn alles klappt, könnten die Flüchtlinge 2017 ihren Gesellenbrief erhalten. „Vor allem die Deutschkenntnisse fehlen ihnen dafür.“ Was aber nicht lange so bleiben wird, wie Deutschlehrerin Sabine Bombien bekundet. „Es macht wirklich Freude, mit ihnen zu arbeiten“, berichtet sie aus dem Unterricht.

Ein Drittel der Antragsteller erhält einen positiven Bescheid

Was Bruxmeier ganz besonders freut: „Wir haben das Projekt in nur drei Monaten angeschoben, das ist ein Rekord.“ Maßgeblich dazu beigetragen haben vor allem Amar Azzoug vom Bunten Tisch Moers, der die Flüchtlinge betreut, sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim. „Ohne ihn wäre das alles nicht zustande gekommen“, meint Bruxmeier. Aber auch der Staatssekretär habe zu jeder Zeit ein offenes Ohr für das Projekt gehabt. Beteiligt sind darüber hinaus auch die Stadt Moers und die Freddy-Fischer-Stiftung.

Thorsten Klute: „Wir machen gerade in Deutschland Riesenschritte, was die Integration von Flüchtlingen angeht.“ Was Azzoug bestätigt: So sei es erst durch eine Gesetzeslockerung im Januar möglich, Flüchtlinge ohne Asylstatus in eine Ausbildung zu bringen. Klute: „Sie müssen auch so lange hier bleiben können, bis sie die Ausbildung abgeschlossen haben. Dafür setzen wir uns auch auf Bundesebene ein.“ Erfahrungsgemäß erhalte etwa ein Drittel der Antragsteller auch einen positiven Bescheid. „Das ist ein Potenzial, mit dem wir rechnen müssen.“

Lehrlinge sind gesucht

Beim Thema Arbeitsmarkt sind sich alle einig: Das Handwerk sucht heute händeringend Lehrlinge und Fachkräfte. „Da wird niemandem etwas weggenommen.“ Und: „Wenn die Flüchtlinge ihren Gesellenbrief haben, müssen wir alle zeigen, wie viel Toleranz in der Gesellschaft tatsächlich vorhanden ist“, unterstreicht Klute.

 
 

EURE FAVORITEN