Pferdehalter haben trotz Festnahmen weiter Angst um ihre Tiere

Harry Seelhoff
Tierbesitzer in Moers und Krefeld fürchten um ihre Pferde, obwohl die Polizei im "Pferderipper-Fall" einen zweiten Verdächtigen identifizieren konnte.
Tierbesitzer in Moers und Krefeld fürchten um ihre Pferde, obwohl die Polizei im "Pferderipper-Fall" einen zweiten Verdächtigen identifizieren konnte.
Foto: Waz FotoPool
Die Polizei hat im "Pferderipper-Fall" einen weiteren Verdächtigen vernommen. Die Pferdehalter an der Stadtgrenze Moers/Krefeld trauen der Aussage der Polizei nicht, dass sie keine Angst mehr um ihre Tiere haben müssen. Auch weil ein Täter von 2008 nie gefasst wurde.

Moers/Krefeld. Im Pferderipper-Fall überschlagen sich die Ereignisse: Nachdem die Polizei bereits einen Mann wegen „dringenden Tatverdachts“ verhaftet hatte, wurde am Mittwoch ein weiterer Tatverdächtiger gemeldet. Eine Serie, zwei Täter? Oder waren es zwei Täter, die unabhängig voneinander Pferde und Ponys töteten oder schwer verletzten? Die Pferdehalter an der Stadtgrenze Moers/Krefeld trauen der Aussage der Polizei nicht, dass sie keine Angst mehr um ihre Tiere haben müssen.

Es sei „im Zuge weiterer Ermittlungen“ gegen den ersten Tatverdächtigen ein zweiter identifiziert worden, der zumindest teilweise gestanden habe. Beide Verdächtige sind auf freiem Fuß – dafür bringen Pferdebesitzer kaum Verständnis auf. Teilweise schliefen sie nicht, lagen nächtelang auf der Lauer, filmten jeden, der sich in der Nähe der Pferde aufhielt, liefen Streife. Für sie ist die Gefahr noch lange nicht gebannt.

Täter von 2008 wurde nie gefasst

„Keine Gefahr der Wiederholung? Das sehen wir anders.“ Eine 43-jährige Pferdebesitzerin, deren Tier in der Nähe des letzten Tatortes eingestallt ist, sagt ganz eindeutig: „Die Angst ist noch da.“ Wenn der Täter einmal den „Kick“ gehabt hatte, würde er sich – wieder in Freiheit – doch nicht von weiteren Angriffen abhalten lassen, so die Befürchtung.

Die 43-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat selbst schon schlimme Erfahrungen gemacht. 2008 war es, ebenfalls an einem Donnerstag: „Mein eigenes Pferd wurde aufgeschlitzt, nur ein paar Meter vom jetzigen Tatort entfernt.“ Einen Täter konnte die Polizei damals nicht fassen, weshalb sich die Frau heute fragt: Ist es vielleicht derselbe Pferderipper? War er aus der Gegend fortgezogen, saß er wegen anderer Delikte möglicherweise im Gefängnis und wurde kürzlich entlassen? Fragen, die sie sich nicht alleine stellt.

Gibt es eine weitere Tat, die bislang nicht bekannt wurde? Ende Mai wurde in Nähe zu den bekannten Tatorten eine Stute mit Schnittverletzungen auf der Weide gefunden – das Tier war nicht mehr zu retten. Die Besitzerin glaubte an Verletzungen durch Zaundraht, ging nicht zur Polizei. Vom Pferderipper hörte sie erst später.

Aufruf zur Selbstjustiz verhindern

„Eine Freundin hat vier Pferde und wird weiter bei ihnen übernachten. Einer hat fünf Pferde aus Krefeld rausgebracht.“ Die Angst ist den Reitern nicht zu nehmen. Hingegen hat die Staatsanwaltschaft eine ganz andere Befürchtung: Sollte durchsickern, wer die Tatverdächtigen sind, könnte im Internet zur Selbstjustiz aufgerufen werden – was die Strafverfolgungsbehörden unter allen Umständen verhindern wollen.