Op bläcke Fööss in Repelen

Op bläcke Fööss geht man am Niederrhein vielleicht nicht nach Köln, aber über den Barfußpfad in Repelen. Foto: Volker Herold
Op bläcke Fööss geht man am Niederrhein vielleicht nicht nach Köln, aber über den Barfußpfad in Repelen. Foto: Volker Herold
Foto: WAZ FotoPool
Im Jungbornpark hat der Barfußpfad die Saison eröffnet. Viele Sinneserfahrungen locken. Die NRZ hat ihn getestet.

Moers.. Eigentlich laufe ich gerne barfuß. Zumindest im Sommer bei 30 Grad zu Hause oder im Urlaub. Jetzt soll es also der Barfußpfad im Repelener Jungbornpark, der gerade die Saison eröffnet hat, bei acht Grad sein. Die Bedingungen sind demnach nicht ganz ideal.

Schon am Frühstückstisch überlege ich mir, wie man sich am besten vorbereitet. Eine Thermoskanne heißen Tee mitnehmen? Auf jeden Fall noch mal die Winterjacke rausholen.

Am Eingang zum Barfußpfad begrüßt mich Christa Wittfeld, Vorsitzende des Felke-Vereins, die seit Eröffnung des Pfades 2006 Gäste durch den Park führt. Entgeistert schaut sie auf mein Handtuch und dann hoch zum wolkenverhangenen Himmel. „Sie wollen da heute echt auch durch das Kaltwasserbecken laufen?“, fragt sie mich. „Respekt, dann sind Sie hart im Nehmen.“ Mir schwant Böses.

Aber das Ganze soll ja die Abwehrkräfte fördern und Herz und Kreislauf anregen. „Barfuß durch die Natur“ – das hat schon „Lehmpastor“ Emanuel Felke, der von 1896 bis 1914 in Repelen wirkte, seinen Kurgästen empfohlen.

Ich ziehe also Schuhe und Socken aus – Fußnägel habe ich morgens noch schnell frisch pedikürt – und beginne meinen Weg über den Pfad, der im Gegensatz zum öffentlichen Teil eingezäunt ist. Als erstes laufe ich über feinen und groben Pinienmulch, der sich angenehm anfühlt und den kalten Windhauch um meine nackten Füße fast in Vergessenheit geraten lässt. Ich balanciere über verschiedene Holzstäbe. Bisher alles halb so schlimm. Auch die abgerundeten Kieselsteine fühlen sich gut unter meinen Fußsohlen an. Es kitzelt ein bisschen und ich kann mir vorstellen, warum Frau Wittfeld oft Kindergruppen durch den Park führt.

Ob die allerdings auch durchs Kneippbecken geschickt werden, das als nächstes ansteht? Hier muss man nämlich in kaltem Wasser auf der Stelle schreiten. Ein Bein sollte dabei immer aus dem Wasser herausgezogen und die Fußspitze etwas nach unten gebeugt werden, wie der sprichwörtliche Storch im Salat also. Soweit die Theorie.

Schon beim ersten Schritt ins kalte Nass wird mir klar, dass die Wassertemperatur sich der Außentemperatur angepasst hat. „Im Sommer ist es natürlich viel wärmer“, meint Wittfeld. „Sie können sich ja beeilen.“ Bis das perfekte Foto geschossen ist, dauert es aber, so dass ich am Ende weder Füße noch Waden spüre.

Der meist gefürchtete Teil ist damit jedoch beendet. Weiter geht es über bunte, abgerundete Glasscherben. „Hier hat sich noch nie jemand verletzt, vor allem unsere jüngeren Gäste finden das Glas ganz toll“, erzählt Wittfeld. Die Füße soll man möglichst von hinten nach vorne abrollen. Im Idealfall sollen alle Bodenbeläge wie eine Reflexzonenmassage wirken.

Nach dem Gang über verschiedene Holzbeläge geht es auf die Balancierstrecke, wo man seinen Gleichgewichtssinn austestet. Der Barfußpfad ähnelt an manchen Stellen einem Hindernisparcours. Als nächstes stecke ich meinen Kopf in den Summstein, einen Stein mit einer Aushöhlung, dem sogenannten „Summloch“. Atmet man tief summend aus, können Vibrationen den ganzen Körper erfassen. Das Summen in verschiedenen Tonlagen löst bei mir ein leichtes Kribbeln aus. Weiter geht es über immer grobere Steine, an die sich meine Füße aber schon gewöhnt haben.

Zuletzt kommt der Höhepunkt des Barfußpfads, das Lehmbad. Der „Lehmpastor“ Felke verordnete ein Lehmbad bei allerlei Krankheiten. Das Wasser ist mit steinlosem Lehm vermengt und ergibt einen dünnflüssigen Brei. Es ist auf jeden Fall nicht so kalt, die flüssige Matsche erinnert mich an Kinderzeiten. Schon nach kurzer Zeit im Becken sind meine Füße von Lehm umgeben. „Der Lehm entzieht dem Körper über die Haut Giftstoffe, er reinigt also“, erklärt Wittfeld. „Wenn Sie nicht todkrank werden bei dieser Kälte, dann werden sie später ein super Gefühl in den Waden und Füßen bekommen.“

Bisher fühle ich aber nur eisige Kälte und bin skeptisch, ob meine Füße überhaupt je wieder aufwärmen werden. Nachmittags werde ich eines besseren belehrt: Obwohl ich, wie die meisten Frauen, ständig kalte Füße habe, entwickelt sich wohlige Wärme und noch am nächsten Morgen freue ich mich über dieses unerwartete Gefühl. Allein deswegen lohnt sich der Barfußpfad. Im Sommer ist er auf jeden Fall einen neuen, hoffentlich wärmeren, Besuch wert.

Weitere Fotos unter www.derwesten.de/moers.

Öffnungszeiten & Preise

Der Barfußpfad hat mittwochs, samstags, sonntags, sowie feiertags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen durch Dorf und Jungbornpark: Tel. 02841/71 473. Eintritt: 2 Euro, Kinder unter 10 Jahren frei, Schulklassen/Kindergartengruppen 10 €.

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