Nutria-Jäger in Moers werden mit Anrufen und Mails bedroht

Harry Seelhoff
Die Nutria-Population im Moerser Schlosspark soll reduziert werden, doch der beauftragte Fänger wird von Tierschützern bedroht.
Die Nutria-Population im Moerser Schlosspark soll reduziert werden, doch der beauftragte Fänger wird von Tierschützern bedroht.
Foto: WR
Im Auftrag des Kreis Wesel und der Linksniederrheinischen Entwässerungs-Genossenschaft (Lineg) soll die Nutria-Population im Moerser Schlosspark reduziert werden. Seit Bekanntgabe der Aktion gibt es allerdings Drohanrufe und Mails von Tierschützern. Die Lineg ist um die Sicherheit des Fängers besorgt.

Moers. Die Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft (Lineg) in Moers macht sich Sorgen um die Sicherheit des von ihr beauftragen Nutria-Fängers, der die Biberratten-Population im Schlosspark reduzieren soll. „Nicht, dass der mit einem blauen Auge rauskommt“, hieß es. Aber auch die Mitarbeiter in der Lineg-Zentrale erhielten Drohanrufe – und eine Reihe von schon fast kurios zu nennenden Mails.

Immerhin weiß man auch in den neuen Bundesländern offenbar ganz genau, welche Maßnahmen die Lineg in Moers trifft. „In Moers gibt es ein kleines hydrologisches Problem. Als Mittel zur technischen Lösung und zur Beruhigung der Leute lässt man die völlig unschuldigen und harmlosen Nutrias umbringen“, heißt es in einer Mail. Man solle lieber die Baggerarbeiten einstellen. Es fragt sich der Moerser: Welche Baggerarbeiten?

Mit Strafanzeigen gedroht

Aus Hettstedt südlich von Magdeburg meldete sich ein Rattenfreund: „…mit Entsetzen habe ich davon erfahren, dass bereits einige der harmlosen Nutrias im Bereich der Ravelins im Moerser Stadtgraben auf der Basis Ihrer unwahren Behauptungen über diese Tiere getötet wurden. Als Tierschützer, Mitglied der Unabhängigen Deutschen Tierschutz Union und als Vorsitzender des Hettstedter Nutriavereins protestiere ich gegen Ihr Vorhaben, auch weitere Nutrias töten zu lassen. Ich fordere Sie hiermit auf, Ihr feiges Treiben gegen unschuldige und völlig harmlose Tiere sofort zu unterlassen.“

„Dem Handeln ein Ende bereiten“

Mit Strafanzeigen drohte ein anderer: „Nach dem Tierschutzgesetz wartet auf Tiermörder eine Haftstrafe von zwei bis drei Jahren, und die Gerichte tendieren immer mehr dazu, solche Strafen auch ohne Bewährung auszusprechen. Die unschuldigen Nutrias sollen Opfer Ihrer Unwissenheit werden. Ohne das Hinzuziehen erfahrener fachkundiger Tierschützer treffen Sie Entscheidungen zum Töten von Lebewesen. Als Tierschützer werde ich Maßnahmen einleiten, um Ihrem ungerechtfertigten Handeln ein Ende zu bereiten.“

In anderen Städten seien Nutrias „zu Recht eine Touristenattraktion“. „Woanders werden die Wildgänse abgeknallt, hier die Nutrias.“ Die Biberratten liegen – und das bundesweit – einigen Menschen offenbar sehr am Herzen.

Was die Lineg am meisten nervt, sind diejenigen Zeitgenossen, die glauben, von der Arbeit einer Entwässerungsgenossenschaft mehr zu verstehen als das Unternehmen selbst. Für die Fallenjagd hat der Kreis Wesel eine Genehmigung erteilt. Lineg-Sprecherin Elke Wimmer. „Wir machen das ja auch erst seit 101 Jahren.“ Das Beste sei es, das Füttern zu verbieten und unter Strafe zu stellen. – Nur müsste dafür der Rat eine Satzungsänderung beschließen. Oder die fertig in der Schublade liegende Parksatzung.