Neukirchen-Vluyn: Kochen können sie beide

Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo

Neukirchen-Vluyn..  Man nehme zwei reife, gut aufgelegte Kandidaten, eine ordentliche Portion Spaß am Kochen, reichlich Politik, drei bis vier Esslöffel Privates, eine Messerspitze Spitzen gegen den Konkurrenten, eine Prise Humor und einen ordentlichen Schuss Improvisationskunst. Mit diesen Zutaten kam am Donnerstagabend in der Kulturhalle ein munterer Talk am Herd zustande. Auf Einladung von NRZ und KuCa-Chef Michael Erb traten gut vier Wochen vor der Bürgermeisterwahl die beiden Kandidaten zum Kochduell an: Rechte Platte Amtsinhaber Harald Lenßen (CDU), linke Platte Herausforderer Jochen Gottke (SPD.

In der Küche unterscheiden sich die beiden deutlich: Während Jochen Gottke eher der „Ich-mag-eigentlich-alles-Typ“ ist, legt sich Harald Lenßen fest: „Filetsteak mit Pommes, Salat muss nicht.“ Fisch? Geht gar nicht, Fisch mag der Bürgermeister nicht.

Da trifft es sich, dass KuCa-Chefkoch Mike Reimann Heilbutt in den Warenkorb gelegt hat, dazu Tomaten, Thymian, Rucola, Rosmarin, Sahne, außerdem schwarze Linguini für die rote Fraktion und rote für die Schwarzen. Da die beiden Herren für 50 Gäste kochen und zwischendurch Fragen beantworten müssen, werden sie unterstützt: Gottke hat die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia Wilps und seine Tochter Laura in seine Schnibbelmannschaft berufen. Bei Lenßen sind Parteichef Heiko Haaz und Fraktionschef Markus Nacke die Helfer. Und Wasserträger. Die Parteifreunde schleppen Töpfe mit Wasser für die Nudeln heran, und während es bei der CDU zu dampfen beginnt, duftet es bei der SPD nach Knoblauch und Kräutern: Jochen Gottke setzt in aller Ruhe die Tomatensauce an.

Zeit für Politik, Thema Nau-Bauten. Während Jochen Gottke eine aktivere Rolle von Politik und Verwaltung fordert und man ein „kalkulierbares Risiko“ eingehen müsse, beharrt Lenßen darauf, dass die Stadt den Turm am Vluyner Nordring allenfalls als Zwischenlösung und nur mithilfe von Fördermitteln erwerben könne. Mehr Einigkeit herrscht in Sachen Flüchtlinge, Schulen, Dorfentwicklung, Ortsdurchfahrt Rayen. Dass Jochen Gottke immer wieder für sich reklamiert, die Lösung zuerst gewusst zu haben, stößt Harald Lenßen freilich bitter auf, zumal er seinerseits gerne darauf verweist, wie gut sich Neukirchen-Vluyn unter seiner Regentschaft entwickelt habe. Wenn alles schon so schön ist, warum er dann überhaupt noch kandidiert, will NRZ-Redakteurin Sonja Volkmann, die den Abend mit Lokalchef Matthias Alfringhaus moderiert, wissen. Nun ja, räumt Lenßen ein, „der Schreibtisch ist noch voll“.

Die CDU verteilt als erste Essen, das Gottke-Team zieht wenig später nach. Es wird über rote und schwarze Nudeln gefrotzelt, und der Abend erlebt einen überraschenden Höhepunkt, als Gastgeber Michael Erb zum Mikrofon greift und, um eine Pause zu füllen, sein Schützenlied „Vom Fackelzug zum Wackelzug“ intoniert. Fazit des Kochduells: Am Herd stellen sich Harald Lenßen und Jochen Gottke durchaus geschickt an. Das Publikum mag CDU und SPD gleichermaßen, vorsichtige Kritik wird höflich und paritätisch verteilt.

Bilanz: Das Duell am Herd endete unentschieden. Am 13. September wird es einen Sieger geben.

 
 

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