Neukirchen-Vluyn: Die Hochkammers aus den USA

Beliebtes Fotomotiv der Hochkamers aus den USA: Das Ortseingangschild am Gülixweg.
Beliebtes Fotomotiv der Hochkamers aus den USA: Das Ortseingangschild am Gülixweg.
Foto: FUNKE Foto Services
Friedhelm Hochkamer pflegt den Kontakt zu den Verwandten, die vor fünf Generationen der Armut ihrer Heimat entkamen.

Neukirchen-Vluyn..  Die alljährliche Weihnachtspost hat Friedhelm Hochkamer schon bekommen. Dass die Enkel die Schule erfolgreich beendet haben, schreibt ein gewisser William, dass es beruflich gut läuft und die inzwischen betagteren Eltern regelmäßig Arznei nehmen – was sich Familien zu Weihnachten eben mitteilen, die weiter entfernt voneinander leben. Das Besondere: Der Absender schreibt aus den USA, heißt Hochkammer und ist Nachfahre von Friedhelms zweifachen Urgroßonkel Johann, der vor fünf Generationen von Hochkamer aus nach Amerika ausgewandert ist.

Friedhelm Hochkamer, 66 Jahre alt und Rentner, hat inzwischen die lange Geschichte seiner Familie akribisch erforscht und in einem umfangreichen digitalen Stammbaum festgehalten. Der Aufbruch des damals 36-jährigen Johann Hochkamer mit Ehefrau Elisabeth, geborene Grohuesch, vollzog sich 1849. Nachbarn waren vorausgegangen und hatten in Briefen vom milden Klima in Wisconsin am Michigan-See im Norden der USA geschwärmt, wo das Vieh selbst im Winter Futter auf den Weiden finde: „Kommt so schnell wie möglich nach“, heißt es da. „Die Leute waren Tagelöhner“, weiß Friedhelm Hochkamer, „die waren sehr arm und haben ihre Heimat aus Not verlassen.“

Ganz offensichtlich haben sie es im „gelobten Land“ besser angetroffen. Farmer sind mehrere von ihnen bis heute, einer ist Feuerwehrchef, ein anderer Bürgermeister. Der Autor des Weihnachtsbriefes, William O. Hochkammer (70), gehört zu den angesehensten Anwälten in Detroit.

Johanns Zwillingsbruder Peter blieb der heimischen Scholle auf dem Hochkamer Hof treu. Er war der Urururgroßvater von Friedhelm Hochkamer, der nur einen Steinwurf entfernt auf dem ehemaligen Rümelchen Hof am Vinnmannsweg aufwuchs. Kontakt zu den Auswanderern gab es nicht – bis 1982. Damals tauchte auf dem Rümelchen Hof ein Nachfahre der Großhueschs aus der Neuen Welt auf und erzählte von den niederrheinischen Familien im schönen Wisconsin, die bis in die 80er Jahre die Gottesdienste in deutscher Sprache abhielten.

Lange dauerte es nicht, bis Friedhelm Hochkamer zu den Hochkammers in Übersee Kontakt hatte: „Es ist irgendwie verrückt, aber bei den ersten Begegnungen kamen wir uns gar nicht wie Fremde vor“, erzählt er. Die amerikanischen Hochkammers besuchen gern den Ursprungsort ihrer Familie. Wo sich jeder von ihnen fotografieren lässt, versteht sich von selbst: an der Hochkamer Straße vor dem Ortseingangsschild „Hochkamer“.

 
 

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