Motivation: Den Kindern eine Zukunft geben

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Neukirchen-Vluyn.  Das Bild von der heilen Familie hängt längst schief. Die Zahl der Kinder, die – aus unterschiedlichen Gründen – nicht in ihrer Ursprungsfamilie aufwachsen können, ist nicht gering. Allein in Neukirchen-Vluyn sind es derzeit 40 Kinder von auswärts, die in 23 Pflegefamilien leben. Margit Janßen und Ines Meier (Namen von der Redaktion geändert) gehören dazu: Beide haben ein Pflegekind in ihrer Familie aufgenommen. Die Janßens vor 15 Jahren, die Meiers haben vor rund drei Jahren Zuwachs von außen bekommen. Beide Kinder sind seinerzeit im Säuglingsalter zu ihren neuen Familien gekommen – da gab es jeweils schon ein Geschwisterkind. Und beide Kinder gehören selbstredend ganz normal zur Familie wie die eigenen.

Man müsse wissen, worauf man sich einlässt, erklärt Helga Schulze (Name geändert) – auch sie langjährige Pflegemutter. Die Kinder sind schließlich nicht grundlos aus ihren Ursprungsfamilien genommen worden. In der Regel hätten Pflegekinder eine besondere Zuwendung nötig, jedes Kind habe ein Handicap. „Fast alle Kinder haben Hungererfahrungen“, weiß Helga Schulze zu berichten, und Margit Janßen und Ines Meier können das bestätigen. „Essen ist ganz wichtig“, betonen die drei. Ebenso ein geregelter Tagesablauf mit geregelten Mahlzeiten. Man sollte zu viel Unruhe vermeiden, die die Kinder aus der Fassung bringen könnte.

Die drei wissen, dass man sich auch auf die speziellen Auffälligkeiten einlässt. Und dass man lernen müsse, dass man mit Liebe nicht alles heilen kann – auch, wenn diese Erkenntnis nicht ganz einfach ist. Ganz klar: Ein Pflegekind verändert alles. Doch für die Mütter steht völlig selbstverständlich fest: Sie würden sich jederzeit wieder für ein Pflegekind entscheiden. „Auch mit dem Erfahrungsstand von heute“, fügt Margit Janßen hinzu. Sie hatte damals vor 15 Jahren wohl zunächst ebenso auf die Macht der Liebe gesetzt.

Die Motivation der drei Pflegemütter ist eindeutig: Pflegefamilien geben den Kindern eine Zukunft, die ihnen von anderer Seite verbaut worden ist. Und diese geben ihren Pflegefamilien auch sehr, sehr viel zurück, so viel wird deutlich.

Ines Meier kann sich noch gut erinnern, wie es vor mittlerweile vier Jahren war, als sie sich mit ihrem Mann und der Tochter zu diesem Schritt entschlossen hat. „Dann bekommt man erst einmal einen langen Fragebogen zugeschickt, es werden viele persönliche Fragen gestellt, auch zu Wohnverhältnissen, und zu Fragen, die die möglichen Pflegekinder betreffen“, erklärt sie.

Schließlich habe ihre Familie Bescheid bekommen, sie wurde zunächst zu einem Tagesseminar eingeladen, dann zum Wochenendseminar, später kam das Jugendamt zu Besuch, um sich selbst einen Eindruck zu machen. Ines Meier: „Und dann begann das Warten.“

Das Jugendamt ist ein wichtiger Partner, der letztlich für das Wohl der Kinder verantwortlich ist und das Pflegegeld festlegt, das sich aus einer Erstattung für Materielles und einem Anerkennungsbeitrag für die erzieherische Leistung zusammensetzt. Einmal im Monat treffen sich die Pflegefamilien in Neukirchen-Vluyn, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Ein wichtiges Treffen, sagen die Frauen unisono. Für die Neulinge auch, um sich darüber klar zu werden, ob sie diesen Schritt tatsächlich gehen möchten. „Es ist besser, vorher abzuspringen, als womöglich ein Kind wieder abgeben zu müssen“, erklärt Helga Schulze, die Erfahrenste der drei.

Ines Meier und ihr Mann haben bereits an einem Treffen teilgenommen, längst bevor sie ihr Pflegekind aufgenommen haben. „Das hat uns sehr viel gebracht“, sagt sie.

 
 

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