Moerser Karnevalisten suchen neue Sponsoren für Rettung des Nelkensamstagszugs

Ob es den Nelkensamstagszug von Homberg nach Moers 2013 noch gibt, steht derzeit in den Sternen.
Ob es den Nelkensamstagszug von Homberg nach Moers 2013 noch gibt, steht derzeit in den Sternen.
Foto: WAZ FotoPool
Nachdem der Moerser Energieversorger Enni die Förderung des Nelkensamstagszugs von Homberg nach Moers gestrichen hat, sind die Karnevalisten auf der Suche nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten. Sollte es diese nicht geben, wäre es das Aus des Zuges. Das würde dann aber mit spektakulärem Abgang gefeiert.

Moers/Duisburg.. Die Session ist längst vorüber, doch bei den Moerser Karnevalisten herrscht – auch ohne Kostümierung – alles andere als Ruhe. Da tritt der frühere Bürgermeister Willi Brunswick als Senator der Carnevalsacademie am Niederrhein zurück. Da schmeißt Bernd Schell als Präsident der Karnevalsfreunde Holderberg hin, weil der Verein in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken soll. Und der Kulturausschuss Grafschafter Karneval (KGK) kündigt für den Fall, dass der Karnevalszug tatsächlich sterben sollte, einen wahrlich spektakulären Abgang an.

Nach NRZ-Informationen hat sich der KGK am Mittwoch zu einer Sondersitzung getroffen. Einziger Tagesordnungspunkt war die Finanzierung des Nelkensamstagszuges nach dem Auslaufen des Sponsor-Vertrages mit der Enni. Sollte sich keine Möglichkeit finden, den Zug zu retten, will der KGK am Nelkensamstag 2013 eine Trauer-Demonstration organisieren, bei der die schwarz gekleideten Teilnehmer von Homberg nach Moers ziehen. Für diesen demonstrativ schwarzen Humor braucht der KGK nicht einmal Straßenreinigungsgebühren in Höhe von 30 000 Euro zu berappen. Übrigens ist sogar an einen Prinzenwagen der anderen Art gedacht: Der designierte Prinz soll den Trauerzug auf einem Tandem anführen...

Stadt soll Karnevalisten mit Geld unterstützen

Doch bevor es soweit kommt, will der KGK alle Möglichkeiten ausschöpfen, doch noch das notwendige Geld – 30 000 Euro – zur Finanzierung des Zuges zusammen zu kratzen. Die Ideen reichen von einem Spendenkonto über die Vermarktung der „Party-Meile“ Friedrich-Ebert-Platz durch Event-Agenturen bis hin zur Verhandlung über die Reinigungskosten. So sei, kritisiert der KGK, beim letzten Karnevalszug jedes Reinigungsfahrzeug der Enni bereits ab 10 Uhr mit 1800 Euro pro Stunde in Rechnung gestellt worden, obwohl der Zug erst um 14 Uhr die Moerser Stadtgrenze überschritten habe. Dies werde man nicht mehr akzeptieren.

Darüber hinaus mag mancher die Forderung nach finanzieller Hilfe von der Stadt angesichts der Moerser Haushaltssituation belächeln. Doch der KGK meint es durchaus ernst. Vorstandsmitglied Rainer Fischer, im „richtigen Leben“ von Beruf Rechtsanwalt, legt jetzt ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichtes vor. Danach dürfen sich Kommunen „im Interesse einer wirksamen Wahrnehmung der Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“ nicht einfach ihrer Verantwortung für Traditions- und Brauchtumsveranstaltungen entledigen. Der Nelkensamstagszug, argumentiert Fischer, sei zweifellos eine Brauchtumsveranstaltung, und deren finanzielle Unterstützung könne man nach der zitierten Rechtsprechung nicht als so genannte „freiwillige Leistung“ beiseite schieben, für die die Stadt ohnehin kein Geld mehr habe. Konsequenz: Der KGK wird einerseits einen Antrag an den Moerser Rat richten. Und er will – zweitens – versuchen, den Landrat als Finanzaufsicht davon zu überzeugen, dass das Bundesverwaltungsgerichtsurteil auch für den Moerser Nelkensamstagszug gilt.

Alte Feindschaften fröhlich weitergepflegt

Geld spielt offenbar auch eine Rolle beim überraschenden Rücktritt von Bernd Schell als Präsident der Karnevalsfreunde Holderberg. Gerüchte, wonach Schell aus dem Amt gedrängt worden, weist ein Insider vehement zurück. Richtig sei aber, dass man mit den Sitzungen nicht den erforderlichen wirtschaftlichen Erlös habe erzielen können. Während sich Damen- und Herren-Sitzungen gut verkauften, lief die Gala-Sitzung schlecht. Auf der anderen Seite kostete allein das Programm für die drei Tage 21 000 Euro, hinzu kamen Zeltmiete und Ausgaben für bessere Beschallung sowie unerwartet hohe Kosten für die Beheizung des Zeltes und die eingefrorene Toilettenanlage.

Auf der anderen Seite erwarte man noch Einnahmen, so der Karnevalsfreund, der betont, dass der Verein seinen Kredit bediene. Er zeigt sich zudem überzeugt, „dass es weiter gehen wird“. Schells Rücktritt sei Folge seiner Enttäuschung über das schlechte wirtschaftliche der Session.

Apropos Enttäuschung: Auch Willi Brunswick hat sie dazu veranlasst, sein Amt als Rector Academicus der ehrwürdigen Carnevalsacademie am Niederrhein (CAN) niederzulegen, „und zwar unwiderruflich“, wie er gegenüber der Redaktion betont. In einem Brief an die Senatoren-Kollegen beklagt sich Brunswick über Angriffe in einer Academie-Sitzung im März gegen den Secretarius Günter Kühnberg und ihn selbst sowie über Wortbeiträge „auf einem Niveau, die der CAN nicht würdig sind“. Auch aus der ihm bei der Amtsübernahme versprochenen breiten Unterstützung sei bis auf zwei, drei Ausnahmen nicht geworden. Er habe auch feststellen müssen, „dass alte Feindschaften trotz meiner Vermittlungsversuche fröhlich weitergepflegt wurden“. Brunswick hebt hervor, dass er sich den Rücktritt wohl überlegt habe und dass er weiß, dass die CAN nun „in noch schwierigeres Fahrwasser“ komme, aber: „Ich kann so nicht arbeiten.“

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