Moerser Enni-Mitarbeiterin überwies sich selbst 300 000 Euro

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Über Jahre trickste die Frau mit höchst krimineller Energie, ohne dass es jemand bei dem Moerser Stromversorger merkte. Offenbar hatte die Frau fiktive Kundenkonten angelegt. Von dem Geld ging sie shoppen. Enni selbst erstattete keine Anzeige, die Sparkasse schaltete das Landeskriminalamt ein.

Moers. Warum sie es tat, wird wohl ewig ihr Geheimnis bleiben: Eine langjährige Mitarbeiterin der Enni – sie hatte sogar ihre Ausbildung im Unternehmen gemacht – griff über mehrere Jahre hinweg tief in die Kasse, ohne dass es jemandem auffiel. 299 000 Euro konnte sie auf ihr eigenes Konto umleiten, bis ei­nes Tages die Sparkasse einen Verdacht hegte und das Landeskriminalamt einschaltete. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Heike Kersting fällte jetzt in öffentlicher Sitzung sein Urteil: ein Jahr und acht Monate Gefängnis auf Bewährung wegen Untreue.

Es waren lange Jahre, in denen sich die Enni-Angestellte bediente. Die Anklage fußte auf einem Tatzeitraum vom 30. Januar 2009 bis zum 1. Oktober 2013. In dieser Zeit war die Frau im zwei unterschiedlichen Abteilungen beschäftigt. Zuerst zapfte sie das Konto mit den Gebühren für den Hauserstanschluss an, dann nutzte sie die Gelegenheit, um sich bei den Verbrauchsabrechnungen zu bereichern. Was bereits in der Verhandlung deutlich wurde, bestätigte auf Anfrage noch einmal Enni-Pressesprecher Herbert Hornung: Es wurde kein Kunde, sondern nur das Unternehmen geschädigt.

Fiktive Kundenkonten angelegt

Offenbar hatte die Frau über die Jahre hinweg fiktive Kundenkonten angelegt, die allerdings alle ei­nen kleinen Schönheitsfehler hatten: Immer war das Empfängerkonto das der jetzt Verurteilten. Die Sparkasse gab schließlich eine Meldung wegen des Verdachts von Geldwäsche ans Landeskriminalamt, und die Sache kam ins Rollen. Enni schaltete eine Wirtschaftsprüfung ein, und selbst die benötigte eine Woche, um hinter den Dreh zu kommen.

Unternehmenssprecher Herbert Hornung: „Es war derart kriminell, dass selbst ein Vier-Augen-Prinzip nichts genutzt hätte.“ Was bedeutet, dass man der Mitarbeiterin bedingungslos vertraute, die mindestens ein mal pro Monat eine größere Summe auf ihr eigenes Konto abzweigte. Allerdings, und auch das kam im Rahmen der Hauptverhandlung heraus, waren die Beträge schwankend, so dass sich kein Muster abzeichnete.

Den sicheren Job verloren

Wo das Geld geblieben ist, darüber kann auch nach dem Urteil nur spekuliert werden. Sie hätte für sich selbst eingekauft, lautete die Einlassung der Frau; es tue ihr unendlich leid, dass sie ihr gutes Einkommen und den sicheren Job bei der Enni aufs Spiel gesetzt habe.

Den Job ist sie allerdings los. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde sie unverzüglich freigestellt. Nach Auskunft ihres ehemaligen Arbeitgebers unterschrieben sie und ihr Ehemann eine Zahlungsvereinbarung; die Versicherung der Enni übernahm ein Drittel des entstandenen Schadens. Das Unternehmen will nun genauer und öfter prüfen, um solch böse Überraschungen auszuschließen.

 
 

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