Moers verbietet wegen Feinstaubbelastung viele Osterfeuer

Im Moers werden in diesem Jahr deutlich weniger Osterfeuer brennen als früher.
Im Moers werden in diesem Jahr deutlich weniger Osterfeuer brennen als früher.
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Die Stadt hat fast die Hälfte von 100 Anträgen auf Osterfeuer nicht genehmigt. Selbst das der Ortsbauernschaft. Wegen der hohen Feinstaubbelastung.

Moers/Niederrhein.. Die Karwoche begann für Christel Rechmann und Rainer Zimmermann mit einer großen Enttäuschung. Die Stadtverwaltung teilte per Brief mit, dass das Ehepaar sein Osterfeuer nicht veranstalten darf. Eine solche Überraschung wie die beiden Schwafheimer erlebte eine ganze Reihe von Veranstaltern in Moers. 48 Osterfeuer wurden untersagt, 52 gestattet.

„Aberwitzig“ nennt Rainer Zimmermann die Begründung in einem Protestschreiben an Bürgermeister Christoph Fleischhauer. Die Verwaltung tue gerade so, als sei die Ortsbauernschaft Schwafheim eine Stammtischrunde mit drei, vier Mitgliedern statt einer großen Organisation, die durchaus zu zwei Osterfeiern laden könne. Christel Rechmann und Rainer Zimmermann haben ihres acht Jahre „ohne jegliche Beanstandungen“ veranstaltet, heißt es weiter in dem Brief. 70 bis 80 Menschen sind jeweils mit von der Partie gewesen, davon stets zwei Dutzend Kinder – all denen habe die Stadt „ein echtes Oster-Highlight verdorben“.

„Verbotskultur“ ärgert Moerser

Hat „diese Verbotskultur“ Zimmermann schon geärgert, so platzte ihm endgültig der Kragen, als ein Mitarbeiter der Stadt am Mittwoch anrief. Man habe das aufgeschichtete Holz auf ihrem Feld gesehen und wolle darauf hinweisen, dass sie ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro zu zahlen hätten, falls sie das Feuer trotz des Verbotes abbrennen würden.

„Präventive Bürger-Einschüchterung“ nennt Rainer Zimmermann dies und beendet seinen Brief an Fleischhauer „mit vorzüglicher Hochachtung, aber auch hochgradig verärgert“.

Hintergrund für die Absage der Stadt ist freilich kein plötzlicher Entschluss, zur Spaßbremse zu werden, sondern die Feinstaubbelastung in der Luft, die die Osterfeuer verursachen. Das Landes-Immissionsschutzgesetz schränke deshalb – bestätigt durch einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes – den zweifellos beliebten Brauch ein, sagt Klaus Janczyk, Pressesprecher der Stadt Moers. Osterfeuer müssten echte Brauchtumsveranstaltungen sein, die Veranstalter müssten als Vereine oder sonstige Organisationen in die Ortsgemeinschaft integriert sein, also Kirchengemeinden, Schützenvereine oder Feuerwehren etwa. Private Veranstalter seien nicht erlaubt.

Nachbarstädte erlauben fast alle Osterfeuer

Auf diesen Umstand habe man seit Jahren hingewiesen, so Klaus Janczyk weiter. Bislang drückte die Verwaltung da offenbar ein Auge zu, doch: „Die Zahl der Osterfeuer hat aus Sicht des Umweltschutzes überhand genommen.“ 2012 brannten 139 Osterfeuer in Moers, 2013 und 2014 waren es ähnlich viele. 2015 lagen genau 100 Anzeigen vor, von denen man nun 48 habe ablehnen müssen.

Die Nachbarstädte legen die Bestimmungen allerdings legerer aus. In Neukirchen-Vluyn können alle 140 angemeldeten Osterfeuer stattfinden. In Kamp-Lintfort wurden von 126 Anmeldungen nur zwei abgelehnt. Begründung: Sie wären weniger als hundert Meter von Wohnbebauung entfernt gewesen.

EURE FAVORITEN