Moers-Festival: Künstlerischer Leiter Reiner Michalke geht

Schon bei einer Pressekonferenz im Februar wurden Differenzen zwischen Geschäftsführer Dirk Hohensträter (links) und dem künstlerischen Festivalleiter Reiner Michalke (rechts) deutlich. In der Mitte Bürgermeister Christoph Fleischhauer und Carmen Weist, Aufsichtsratsvorsitzende der Moers Kultur GmbH.
Schon bei einer Pressekonferenz im Februar wurden Differenzen zwischen Geschäftsführer Dirk Hohensträter (links) und dem künstlerischen Festivalleiter Reiner Michalke (rechts) deutlich. In der Mitte Bürgermeister Christoph Fleischhauer und Carmen Weist, Aufsichtsratsvorsitzende der Moers Kultur GmbH.
Foto: Funke Foto Services
Streit um Wertgutachten für die Festivalhalle eskaliert zwischen künstlerischem Leiter und Geschäftsführung. Aufsichtsrat nimmt Rücktrittsangebot einstimmig an

Moers.. Was für ein Paukenschlag! Das Moers-Festival 2016 war das letzte unter der Verantwortung des künstlerischen Leiters Reiner Michalke. Der Kölner und die städtische Moers Kultur GmbH haben sich getrennt. Damit endet die Ära Michalke, der das Festival 2005 von dessen Gründer Burkhard Hennen übernommen und es elf Jahre lang geprägt hat. Offen scheint nun auch, ob der Streit die beträchtlichen Zuschüsse von Land und Bund gefährdet.

Fest steht dagegen, dass Reiner Michalke am Schluss keinen Rückhalt mehr hatte. Der Aufsichtsrat der Kultur GmbH nahm sein Mitte August vorgelegtes Rücktrittsangebot einstimmig bei nur einer Enthaltung an, und zwar schon am 16. August. Mehr als eine Woche konnten beide Seiten den Vorgang geheim gehalten, bis nun doch Einzelheiten durchsickerten. Als die NRZ am gestrigen Donnerstag bei Geschäftsführer Dirk Hohensträter nachfragte, bestätigte er: „Es stimmt, Herr Michalke ist nicht mehr für das Moers Festival tätig.“ Weiter wollte sich Hohensträter zu der brisanten Personalie nicht äußern, offenbar spricht die Kultur GmbH mit Michalke derzeit über Einzelheiten bei der Beendigung seines bis 2020 laufenden Werkvertrages.

Ausgangspunkt des Zerwürfnisses zwischen künstlerischer Leitung und Geschäftsführung ist dem Vernehmen nach ein Gutachten zur Bewertung der Festivalhalle, das Ende Juni im Aufsichtsrat diskutiert wurde und aus dem sich eine erneute Finanzlücke von 750 000 Euro bei der Kultur GmbH ergeben könnte. Reiner Michalke brachte das Gutachten auf die Palme, er fuhr schweres Geschütz auf. Geschäftsführer Hohensträter und Wirtschaftsprüfer Tönissen unterstellte er, dass sie dem Aufsichtsrat „vorsätzlich und gemeinschaftlich die Unwahrheit“ gesagt hätten.

„Fachlich haltlose Auffassungen“

Michalke, so heißt es, habe daraufhin eine Abmahnung kassiert und die Aufforderung des Aufsichtsrates, sich zu entschuldigen. Mit seinem Brief von Mitte August an das Aufsichtsgremium eskalierte die Auseinandersetzung aber vollends. Michalke bedauert darin zwar die Verwendung des Begriffes „Unwahrheit“, in der Sache aber bekräftigt er seine Vorwürfe: Dass nämlich Geschäftsführer und Wirtschaftsprüfer mit dem Gutachten „gemeinschaftlich und vorsätzlich“ sachlich und fachlich haltlose Auffassungen vorgetragen hätten. Da der Aufsichtsrat die Geschäftsführung unterstütze, so Reiner Michalke, bleibe ihm keine andere Wahl, als um die Entlassung aus seinem Vertrag als künstlerischer Leiter zu bitten.

In welcher Weise die Vorgänge in der Kultur GmbH die wichtigen Geldgeber Land und Bund beeinflussen, ist nach außen unklar. Wie die NRZ aber aus sicherer Quelle erfuhr, sind deren Zuschüsse in Gesamthöhe von jährlich 290 000 Euro 2016 noch nicht geflossen. Der dadurch entstandene Liquiditätsengpass führte offenbar dazu, dass die Gesellschaft Geld aus der vor wenigen Wochen gewährten städtischen Garantiererklärung in Anspruch nehmen muss.

Dirk Hohensträte soll sich in den letzten Tagen bereits in Bonn und Berlin bemüht haben, dort die Gemüter zu beruhigen. Gegenüber der Redaktion wollte er sich dazu allerdings nicht äußern.

Trotz des Zerwürfnisses – Hohensträter soll intern von Vertrauensbruch und Rufschädigung gesprochen haben – machte der Geschäftsführer im Gespräch mit der Redaktion deutlich, dass niemand die „großen Verdienste von Reiner Michalke für das Moers-Festival“ bestreiten werde. Gleichwohl gehe es nun auch darum, einen neuen künstlerischen Leiter zu finden. Diese Frage werde beispielsweise auch den Workshop beschäftigen, zu dem die Kultur GmbH und der Aufsichtsrat noch im September zusammenkommen wollen. Ein weiteres Ziel sei die langfristige wirtschaftliche Sicherstellung der Veranstaltung, sagt Hohensträter. Dazu gehört die, übrigens noch von Reiner Michalke initiierte, wirtschaftliche Trennung vom Betrieb der Halle und des Festivals.

Michalke selbst war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 
 

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