Mix aus Angeboten soll Senioren-Probleme lösen

Betreuung von Senioren – die verschiedensten Formen sind möglich. Zuwendung ist dabei immer wichtig
Betreuung von Senioren – die verschiedensten Formen sind möglich. Zuwendung ist dabei immer wichtig
Foto: dpa
Die Grünen im Kreistag luden zur Information über das neue Gesetz für Wohnen und Teilhabe für Senioren ein. Unter anderem soll es demnächst 80 Prozent Einzelzimmer in den Altenheimen geben. Zudem sollen alternative Wohnformen und -möglichkeiten gefördert werden.

Moers.. Das neue Wohn- und Teilhabegesetz in NRW regelt auch die stationäre Betreuung von Senioren. Nach anderthalb Jahren des Ringens in Düsseldorf haben nun unter anderem auch die Heimträger und Kommunen wieder Fakten auf dem Tisch. Gestern luden die Grünen im Kreistag Wesel mit dem Vorsitzenden Hubert Kück ins Rudolf-Schloer-Stift, um über das Gesetz zu berichten und sich vor Ort umzuschauen. Mit dabei Arif Ünal, Sprecher für Gesundheits- und Pflegepolitik der Grünen im Landtag: „Ziel ist es, nicht nur die stationäre Pflege im Blick zu haben, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Menschen so lange wie möglich in ihren Wohnungen leben können.“

Derzeit fänden noch 70 Prozent aller Pflege in der Familie statt, 30 Prozent der Betroffenen würden professionell betreut, davon wiederum 80 Prozent ambulant, erläutert Ünal.

Ob dies von den Bürgern so gewollt oder aus Mangel an Heimplätzen so ist, bleibt offen. Tatsache ist: Die Wartelisten der Heime im Kreis werden immer länger. „Pro Jahr fehlen uns im Kreis Wesel 120 Heimplätze“, schildert Kreispolitikerin Elisabeth Hanke-Beerens den Stau.

Was zum Teil auch am derzeit herrschenden Mangel an Alternativen liegen mag. Diesen Mangel will das Land möglichst abstellen: Das neue Gesetz soll das Leben im Wohnquartier und alternative Wohnformen stärken sowie pflegende Angehörige unterstützen.

Prävention stehe viel stärker im Fokus: „Es hat sich gezeigt, dass schon kurze Kontakte mit anderen Menschen einer Demenz vorbeugen können“, weiß Ünal. Thorsten Krüger ist Leiter im Schloer-Stift: „Die Richtung des Gesetzes stimmt.“ Man habe bis jetzt eine Deckelung der Heime gefürchtet, die aber nicht gekommen sei. Der zitierte Mix sei wichtig, aber auch der Ausbau der stationären Einrichtungen, unterstrich er.

Hubert Kück: „Finanziell will das Land bei Modernisierungsprojekten mit vier Prozent Refinanzierungsquote helfen.“ Denn mit dem neuen Gesetz müssen die Seniorenheime ab 2018 zu 80 Prozent Einzelzimmer vorhalten – was oftmals teure Umbauten zur Folge hat und teils wieder zu weniger Heimplätzen führt. Carsten van der Werth als Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie kommentiert: „Wir werden darauf hin die Gespräche für das multifunktionale Mehrgenerationen-Projekt in Meerbeck wieder aufnehmen.“

Wichtig war der Politik auch, die Pflegekonferenz wie sie im Kreis bereits existiert, zu stärken. „Unter Einbeziehung der Kommunen sollen dort auch Konzepte erstellt werden“, schildert Hubert Kück. „Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu“, weiß Hanke-Beerens. Denn auch alle Bauprojekte werden künftig über eine Empfehlung der Pflegekonferenz vom Kreistag genehmigt – oder auch nicht.

Die Versorgung der Bürger mit Seniorenheimplätzen sei im Land ganz unterschiedlich, weiß Arif Ünal. „In Düsseldorf herrscht großer Mangel. Vielleicht auch, weil es zu wenig Alternativen gibt.“ In Köln müsse man Heimplätze abbauen.

„Wir werden immer mehr alleinstehende Menschen haben. Die klassische Situation, dass von zwei Menschen einer pflegebedürftig ist und es noch Kinder gibt, wird sich bald ändern“, so van der Werth.

 
 

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